12 von 12 im Juli – der Arbeitsplatz eines Fundraisers

Wie vielleicht einige Lesende meines Blogs wissen, arbeite ich als Fundraiser (also als professioneller Spendensammler) für einen diakonischen Verein, die eva Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V.

Und wenn ich in mein Büro komme, sieht mein Arbeitsplatz in etwa so aus:

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Mehr oder weniger aufgeräumt (meist mehr) und vor mir seit 14 Jahren eine blaue Pinnwand mit Kalender, Fotos und hin und wieder aktuellen Arbeiten.

An der Zimmertür hängt ein Schild, welches ich von meinen KollegInnen einmal zum Geburtstag bekam. Wenn ich mit dem Fahrrad ins Büro fahre, hängt dieses Schild davor, damit ich mich in Ruhe umziehen kann.

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Kein Büro-Arbeitsplatz ohne Kaffee. Hier stilecht in einer eva-Tasse, die wir als Werbeartikel – auch dafür ist mein Team verantwortlich – herstellen ließen. Aber auch einige Schwarzteesorten finden sich im Küchenschrank.

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Fundraising heißt Spendenwerbung. Und die geschieht zumeist durch schriftliche Ansprache von aktuellen oder potentiellen Spenderinnen und Spendern. Immer dabei: Ein Zahlscheinformular, das entweder direkt zur Bank gegeben werden kann oder als Vorlage fürs Online-Banking dient. Nie, nie, nie darf eine Spendenbitte ohne Zahlschein das Haus verlassen!

Hier werben wir für unseren täglichen Mittagstisch im Haus, zu dem rund 70-100 Menschen in Armut kommen.

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Zu den ersten Worten, welche Kinder lernen, gehört nach Mama und Papa sicherlich Bitte und Danke. Und so ist’s auch im Fundraising: Auf jede Spende erfolgt ein Dank. Und wir bedanken grundsätzlich jede (!) Spende mit einem Dankbrief und einer kleinen Postkarte. Viele KollegInnen bei anderen Einrichtungen halten das für überflüssig oder zu teuer, aber meinem Team und mir ist dieser Dank sehr wichtig.

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Jeder, wirklich jeder Brief wird handschriftlich unterschrieben. Meine KollegInnen – wir sind insgesamt fünf, davon drei FundraiserInnen – und ich sehen dadurch auch immer wieder auffällige, besondere Spenden oder wiederkehrende Namen, bekannte Gesichter oder auch mal eine falsch geschriebene Straße. Das würde uns alles entgehen, würden die Briefe nur maschinell gedruckt und unterschrieben.

Für die Unterschriften habe ich meinen Füller und grüne Tinte. In der Regel haben wir bis Mittag alle Spenden des Vortages verbucht, die Briefe gedruckt und unterschrieben, so dass sie am Nachmittag in die Post kommen können. Ein Dank, „bevor die Sonne untergeht“.

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Heute stand noch ein besonderer Termin im Kalender: Unsere Quartalsgeburtstagsfeier. Rund ein gutes Dutzend KollegInnen im Vorstandsbereich des Vorstandsvorsitzenden haben sich verständigt, dass in jedem Quartal gesammelt der Geburtstag rückwirkend gefeiert wird. Neben einem Geschenk (für das wir immer sammeln) gibt es eine persönliche Karte, die ich für mein 7-köpfiges Team schreibe – eine der netten Chef-Aufgaben für mich.

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Hier ist der Blick in den Innenhof beim Haus der Diakonie. Hinter den spitzen Fenstern ist der Saal, in welchem eva’s Tisch werktäglich stattfindet. Und bei schönem Wetter können unsere Essensgäste im Freien essen. Auch eva-Mitarbeitende können dort essen, aber natürlich zu einem höheren (kostendeckenden) Preis.
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Die Sitzerei den ganzen Tag über ist manchmal etwas lästig und so bin ich froh, dass ich seit zwei Jahren einen höhenverstellbaren Schreibtisch habe. Hier ist er mal auf 1,17 m ausgefahren, dass sogar der Stuhl darunter passt.

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Mein Bereich heißt „Kommunikation – Freunde und Förderer“, und wir sind sowohl für das Fundraising als auch für die allgemeine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Im Laufe der Zeit sind viele Faltblätter und Broschüren entstanden, die wir natürlich auch versenden. Hier ist der Schrank, in welchem wir den laufenden Bedarf als „Handvorrat“ in Griffweite haben.
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Fundraising kam in den 70ern als Profession aus den USA nach Deutschland. Seitdem hat sich viel getan. Es gibt eine Fundraising Akademie (an welcher ich auch als Dozent seit langem tätig bin) und viel Fachliteratur aus den Bereichen Psychologie, Fundraising-Strategie etc. Hier ist unser Fachregal mit allen Standardwerken aus dem deutschsprachigen Bereich und einigen Büchern aus Großbritannien und den USA.
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Aber Fundraising besteht nicht nur im Schreiben von Briefen, sondern auch in Gesprächen. An meinem kleinen Besprechungstisch berate ich zum Beispiel potentielle Stifterinnen und Stifter oder Menschen, welche unsere Arbeit testamentarisch bedenken wollen.

An den Wänden sind jeweils die allerersten Bilder meiner Jungs (so mit ca. einem Jahr entstanden) und ein abstaktes Acrylwerk von mir.

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Heimwärts fällt mein Blick aus der Bürotüre auf zwei kleine Displays mit aktuellen Broschüren für Freunde und Förderer unserer Arbeit und Menschen, welche sich für freiwillige Mitarbeit interessieren.

20160712_095631-600x1067So, das war’s für heute mit den 12 Bildern aus einem unspektakulären Bürotag.

(gebloggt am 13.7., da mich am 12./13.7. noch ein fieser Virus ab dem Abend plagte…)

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