Barfuß gehen für Anfänger

nadellauf-grosserBarfußwandern: Die Wiederentdeckung der natürlichsten Art der Fortbewegung

Als Menschen sind wir dazu geboren, barfuß zu gehen. Wer wieder einmal – und bewusst – barfuß gegangen ist, weiß wozu der Körper ohne Schuhe in der Lage ist. Der Weg zum Barfußwanderer braucht zwar auch etwas Übung, doch kürzere Wanderungen können auch von Ungeübten auf geeignetem Untergrund durchgeführt werden. Wir zeigen, was in unseren Füßen steckt – und das ist jede Menge!

Jetzt endlich spüren wir wieder den Tastsinn unserer Fußsohlen. Kein Schuhprofil ist im Gelände so griffig wie unsere Zehen. Pfützen sind willkommene Kühlung und kein schuhverschmutzendes Hindernis. Wir bewegen uns sanft und leichtfüßig. Die Füße werden viel später müde, weil sie sich bewegen können und nicht starr in ein schweres Gefängnis eingesperrt sind.

Wer barfuß wandert, merkt was uns Werbung und Industrie verschweigen: Wir brauchen nicht 23 verschiedene Schuhe für alles und jeden Zweck. Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Und das Preis-Leistungs-Verhältnis barer Füße ist beim Wandern unschlagbar.

Suchen Sie sich einen Weg mit abwechslungsreichem Belag. Am geeignetsten sind natürlich Gras, Sand oder Erde, naturbelassene Wald- und Feldwege als Untergrund. Schotterwege oder gekieste „Wanderautobahnen“ sind allerdings eher wenig geeignet. Bei Waldwegen muss man nur aufpassen, dass man die Füße ausreichend hoch hebt, damit man sich nicht die Zehen an Wurzeln stößt.

Die erste Barfußwanderung sollte nicht mehr als 2-3 Stunden dauern, dann reicht es den meisten Füßen. Anfangs lieber etwas weniger als zuviel laufen und ausreichend Pausen einlegen. Auf die Geschwindigkeit kommt es nicht an. Achten Sie auf die Eindrücke unter den Sohlen, welche Untergründe sind angenehm, welche pieksen, welche schmeicheln den Füßen? Im eigenen Interesse sollten Sie den Blick immer etwas auf den Boden halten, damit Sie nicht auf spitze Steine oder Dornenzweige treten. Und gleichzeitig sehen Sie Tiere und Pflanzen, weicht aus und schont sie, anstatt beschuht hindurchzustapfen.

Wer mag, kann natürlich Trekking-Sandalen oder leichte Schuhe in den Rucksack packen. Sie sollten aber nur im „Notfall“ angezogen werden, bzw. wenn der Weg zwischendrin allzu unangenehm zu werden droht – auf längeren Schotterstrecken z.B. Zum Abschluss der Wanderung sucht man sich einen kleinen Bach oder eine feuchte Wiese und säubert die Füße von ihrer dunklen Farbe.sohle-cmyk

Das Gefühl nach der Wanderung ist toll: Die Füße sind warm, kribbeln etwas und fühlen sich richtig gut an. Möglicherweise werden die Füße von der noch ungewohnten Massage etwas müde sein. Auch die Waden melden sich manchmal mit Muskelkater, da wir beim Barfußgehen mit dem Fußballen oder dem ganzen Fuß auftreten, nicht aber mit der Ferse zuerst. Doch das positive Gefühl überwiegt und auch beim Barfußwandern macht erst etwas Übung den Meister: Dann können auch schwierigere, rauere Böden problemlos gemeistert werden und auch Ganztagestouren sind nach einigen Wanderungen kein Problem mehr.

Wer regelmäßig barfuß geht, wird mit der Zeit eine etwas dickere Fußsohlenhaut bekommen und trainierte Wadenmuskeln. Es bildet sich aber keine Horn-, sondern eine eher lederartige Haut. Sie sorgt dafür, dass die Fußsohlen vor Verletzungsgefahren gut geschützt sind. Etwas Pflege mit einer Creme (z.B. Nivea) hilft gegen trockene oder rissige Haut im Sommer.

Besonders für Anfänger und Gelegenheits-Barfüßer sind die angelegten Barfußpfade sehr geeignet. Bad Sobernheim/Nahe wirbt z.B. kräftig damit, den „bisher einzigen Barfußpfad Deutschlands“ zu haben. Stimmt natürlich nicht: viele Kurorte haben in den letzten Jahren solche Anlagen erstellt. Es handelt sich in der Regel um einen liebevoll gestalteten, abwechslungsreichen Parcours mit Gras, Kies, Lehm, Sand, Moor, Holz. Ein unwahrscheinlich sinnlicher Genuss, der an die traditionelle Kneipp-Kultur anknüpft!

Am angenehmsten ist eine Temperatur von 20 bis 25 Grad – aber Füße können sich an einen viel breiteren Bereich gewöhnen. Wer sich oben rum gut einpackt, kann bereits ab 10 Grad bequem barfuß laufen. In der Sommersonne wärmen sich Straßen und Sand oft auf über 40 Grad auf. Im Juni und Juli muss man also auch auf etwas schattige Wege achten oder zumindest Teerwege vermeiden.

Barfuß gehen ist gesund

  • Es kräftigt Muskeln, Bänder und Gelenke, verbessert die motorischen Fähigkeiten und beugt damit Verletzungen vor, und das auch, wenn man wieder Schuhe trägt (Verstauchungen!). Auch die Wirbelsäule profitiert davon.
  • Es stärkt die Immunabwehr, insbesondere bei kaltem Wetter (Kneipp-Effekt).
  • Es verbessert die Blutzirkulation in den Beinen und beugt damit aktiv verschiedenen Leiden aufgrund mangelnder Durchblutung vor.
  • Wenn man auf natürlichen Böden barfuß geht, werden dabei die Reflexzonen beständig massiert, was einen positiven Effekt auf den ganzen Körper hat. Gleichzeitig wird Stress ab- und Entspannung aufgebaut. Selbst der Blutdruck wird ausgeglichen.
  • Deformationen der Füße, die erhebliche Gehbeschwerden verursachen können, entstehen nur durch das Tragen unpassender Schuhe. Sogar wenn bereits Fußschäden vorliegen, lindert sie das simple Barfußlaufen in der Regel besser als Einlagen. Am besten eignet sich hierfür natürlich unebenes und abwechslungsreiches Gelände.
  • In Bevölkerungsgruppen, bei denen üblicherweise keine Schuhe getragen werden, treten Fußkrankheiten praktisch nicht auf. Gerade in der Wachstumsphase ist es am besten, wenn Füße sich frei entfalten können. Deshalb sollten Kinder (Jugendliche und Erwachsene natürlich auch.), im Grunde nur im Winter regelmäßig Schuhe tragen und im Haus stets barfuß laufen.

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Häufige Fragen

  • Kann man sich nicht an Glasscherben verletzen?

Ein bisschen auf den Weg achten, und ihr könnt den meisten Scherben leicht ausweichen. Wer den Fuß gerade aufsetzt und nicht am Boden schleifen lässt, wird den von den allermeisten Scherben selbst beim Drauftreten nicht verletzt, zumal die sich bildende Lederhaut der Sohlen schützt. Ähnliches gilt für Bienen: auf Blumenwiesen solltet ihr bodennahe Blüten und überall Fallobst meiden.

  • Erkältet man sich beim Barfußlaufen?

Erkältung ist eine ansteckende Krankheit, die, wenn sie „umgeht“, weite Teile der Bevölkerung in Mitleidenschaft zieht, und umso besser überwunden wird, je besser das Immunsystem funktioniert. Barfußlaufen trainiert das Immunsystem, ist also sogar eine gute Vorbeugung. Bei kühlem Wetter gibt der Körper über die Füße zwar Wärme ab; diese kann er aber anderswo leicht produzieren.

  • Gehen die Gelenke nicht kaputt?

Die Dämpfung mag vor allem beim Rennen auf hartem Boden wichtig sein – aber es gibt genug Möglichkeiten, der Asphaltwüste zu entgehen. Durch eine Konstruktion aus zwei annähernd senkrecht zueinander stehenden Gewölben können an den Füßen sehr hohe Druckbelastungen abgefangen werden. Folglich berührt beim Barfußlaufen ganz unwillkürlich zuerst der Vorfuß den Boden, ähnlich wie beim Laufen auf der Stelle. Die Beweglichkeit der Gelenke und die Dehnfähigkeit der Muskulatur sorgen dabei für einen effektiven Schutz des Bewegungsapparates. In der Evolution haben vollgedämpfte Turnschuhe keine Rolle gespielt: Der Fuß ist perfekt vorbereitet für das Gehen auf unterschiedlichsten Untergründen.

  • Infiziere ich mich nicht mit Fußpilz?

Fußpilz kann sich zwar über Böden, wo viele Leute barfuß gehen, verbreiten, überlebt aber nicht, sofern ihm nicht im feuchtwarmem Klima von Schuhen ein Nährboden geboten wird. Trockene Füße, wie man sie beim Barfußgehen natürlich hat, sind für den Pilz praktisch unüberwindbar. Solche trockenen Bar-Füße riechen übrigens auch nicht, denn dafür ist das Zersetzen des Schwitzschweißes in Schuhen durch Bakterien verantwortlich.

  • Ist Barfußlaufen nicht unhygienisch?

Dass von jedem Boden etwas hängen bleibt, ist ganz natürlich. Es fällt auch bald ganz von selbst wieder ab – nach der nächsten Wiese sind die Füße etwa wieder so sauber wie vorher. Die kleine Mühe, sich abends die Füße zu waschen, sollte einem die Freude an der Sache schon wert sein – schließlich entfällt auch das Schuhe putzen! Und wenn sich bei einer Wanderung oder einem Stadtbummel der Fußabdrucks sattschwarz auf den Sohlen abzeichnet, hat das seinen ganz eigenen ästhetischen Reiz…. Das alles ist jedenfalls hygienischer als die feucht-warme Atmosphäre, die sich in Schuhen bildet, wo sich Fußpilze so richtig wohlfühlen.

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Grundregeln für den Start

  • Den Fuß immer gerade aufsetzen

und nicht schlurfen. Das Gewicht sollte mehr auf den Vorderballen liegen, da diese durch ihre flexible Haut mit Unebenheiten besser umgehen können als die Ferse und auch die Gelenke durch die Federwirkung des Fußes geschont werden. Immer den Weg im Auge behalten – wenn es woanders etwas zu sehen gibt, lieber stehen bleiben. Wenn du fühlst, dass du auf etwas Unangenehmes trittst, solltest du schnell genug reagieren und woanders hintreten können.

  • Allmählich steigern:

Zu Beginn, bzw. nach einer Winterpause muss man in den ersten Wochen noch einer erhöhten Verletzlichkeit der Sohlenhaut Rechnung tragen.

  • Grillplätze, Straßenränder,

etc. sind oft mit Glasscherben dekoriert und deshalb mit Vorsicht zu genießen.

  • Von Weidezäunen

kann Stacheldraht weghängen – vor allem an Durchlässen muss man vorsichtig sein!

  • Etwas Verbandsmaterial

mitzuführen ist sowohl beschuhten als auch barfüßigen Wanderern anzuraten – zumindest eine Pinzette, Heftpflaster und elastische Binde.

  • Stachliges:

Zwischen blühenden Blumen (vor allem Klee) sollte man deshalb gut auf Wespen und Bienen achten! Allergiker sollten (auch wenn sie Schuhe tragen!) immer ein wirksames Gegenmittel mit sich führen. Stiche durch Dornen sind harmlos, wenn man den Stachel sofort wieder geradlinig herauszieht und ein ausreichender Tetanusimpfschutz vorhanden ist.

  • Regelmäßiges Eincremen

der Füße verhindert Hornhautrisse und versorgt die Haut mit Fett. Es macht viel mehr Spaß als Lederpflege am Schuh. Sonnenschutzcremes verhindert Sonnenbrand auf nicht vorgebräunten Fußrücken.

  • Brandblasen

kann man sich an Metall (Gullydeckel, Schienen) und auf Asphalt in der Sonnenglut holen. Auch der Sand an südlichen Stränden kann in der Mittagszeit gnadenlos Hitze tanken.

Ein Gedanke zu „Barfuß gehen für Anfänger“

  1. Ich gehe ganz außerordentlich gerne barfuß!
    Oder würde es tun, wenn ich nicht seit einiger Zeit in einer Gegend lebte, in der die Wälder von Kastanien beherrscht werden … 😀
    Kastanienstacheln tun sogar dann gemein weh, wenn man Schuhe trägt!

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