Arbeiten am Laufband-Schreibtisch

Dass Sitzen die Rückenmuskulatur schwächt, für verkrampfte Halsmuskeln sorgt und Haltungsschäden verursacht, ist schon seit Jahrzehnten Allgemeinwissen. Die diversen Moden bei Bürositzgeräten geben ein beredtes Zeugnis darüber ab. Bürostühle, einer ergonomischer als der andere beworben, Sitzbälle, Kniehocker, Balance-Stühle und mehr sollen uns helfen, der Bewegungsarmut etwas entgegenzusetzen.

„Sitzen ist das neue Rauchen“

Mit diesem Titel erschien ein Buch, und es ist der Slogan derer, welche uns vor dem zuvielen Sitzen am Schreibtisch, im Auto und im Sessel mit seinen Folgen bewahren wollen. Jetzt ist nicht mehr nur unsere Skelettmuskulatur im Fokus, jetzt geht es ans Eingemachte: Niedriger Kalorienverbrauch, ein Stoffwechsel auf Sparflamme, steigende Gefahr von Herz- und Kreislauferkrankungen und Diabetes-Risiko sind seit einigen Jahren die Hiobsbotschaften der Sitzgegner. Mit dem ergonomischen Stuhl ist es also nicht mehr getan. Wir müssen in die Senkrechte. Und so sind seit geraumer Zeit Stehtische im Angebot aller Büromöbelhersteller, um uns aus der sitzenden Unbeweglichkeit in die aufrechte Position zu holen.

Stehtische sind ein Anfang, aber keine Lösung

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Gelesen: Was bleibt (Susannah Walker)

Die Eltern trennten sich, als sie ein Kind war. Die Kinder kamen zum Vater, die Mutter sahen sie in den Ferien. Zeit ihres Lebens blieb eine große Distanz der Kinder zur Mutter. Auch als Erwachsene kamen sie sich nicht wirklich näher. Die Mutter veränderte sich, trank immer mehr, schaffte es nicht mehr Ordnung zu halten. Zuletzt starb sie nach einem Sturz zuhause nach wenigen Tagen im Krankenhaus.

Hier beginnt die eigentliche Handlung des Buches »Was bleibt – Über die Dinge, die wir zurücklassen« von Susannah Walker. Ihre Mutter hinterlässt ein völlig vermülltes, verdrecktes und sanierungsbedürftiges modrig-feuchtes Haus. Woche für Woche fährt Susannah Walker dorthin, kämpft sich mit zwei gewerblichen Ausrümplern durch den Nachlass. Das wäre noch nichts besonders. Besonders macht es, dass die Autorin u.a. als Kuratorin arbeitet, also berufsmäßig mit Gegenständen umgeht. Dies macht sie nun auch mit dem Nachlass ihrer Mutter. Sie sichtet ihn Stück für Stück, um auf diesem Weg dem Wesen ihrer Mutter näher zu kommen. So will sie die Frau, die ihr Lebens lang unnahbar blieb, kennenlernen. Denn das Haus ihrer Mutter in Worcester beherbergt nicht nur Müll, sondern auch ein riesiges Sammelsurium von Fotos, Gebrauchsgegenständen und Nippes.

Als Alltagsarchäologin wühlt sie sich durch die Räume und Stapel und stellt bei der Beschäftigung mit dem Sammeltrieb, dem Horten ihrer Mutter, auch ihren eigenen Umgang mit Gegenständen, ihr eigenes Sammeln auf den Prüfstand.

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Kükelhaus – Schule des Gehens

Beim Sichten der Bücherregale ist mir ein Taschenbuch in die Hände gefallen, welches ich seit 1992 habe. Ich habe es gekauft in meiner Zeit in der Jugendumweltbewegung, der Zeit der Demos, des Besuchens und  Kennenlernens alternativer Wohn- und Lebensmodelle.

Aus dem Buch „Entfaltung der Sinne“ spricht mich ein Kapitel an, welches an meine Passion des Barfußlaufens andockt. „Kükelhaus – Schule des Gehens“ weiterlesen

eBike-Diagnosebericht. Oder: was mein Motor über mich weiß.

Seit 12.5.17 bin ich Pedelec-Fahrer, ich hatte davon ja schon hier und hier berichtet gehabt. Bald sind es zwei Jahre, die Gewährleistung läuft absehbar aus. Also eine gute Gelegenheit, die Winterwartung einmal in die Fachwerkstatt zu geben und dabei die elektonischen Komponenten prüfen zu lassen.

Vor der Wartung hat der Herr aber das Putzen gelegt. Nach einigen winterlichen Waldwegfahrten war der Schmodder aus Tannennadeln und Matsch zentimeterdick am Rad angebacken. Letztes Wochenende war daher in einer kleinen Regenpause abbürsten und abwaschen angesagt, so dass ich es guten Gewissens in die Werkstatt geben konnte; per Stadtbahn allerdings, da ansonsten auf dem Weg in die Stuttgarter Werkstatt die Putzerei umsonst gewesen wäre.

Abholung um 16 Uhr, 70 Euro und kurz gesagt: Alles war in Ordnung, er hat „nicht gebohrt“. Sogar die Kette, welcher meine Rohloff-Lehre eigentlich den Abschied prophzeit hatte, bekam eine Gnadenfrist. Und die neuen Bremsbeläge scheinen weit länger zu halten, als die vom Hersteller verbauten Exemplare. 50-60% des Belags sind noch drauf.

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Bücher und ihre Regale

Eine Obststeige im Keller ist voller Bücher aus meiner Kindheit. Raumschiff Monitor, Burg Schreckenstein, Erdschiff Giganto, die acht Abenteuer-Bände von Enid Blyton und so andere Serien aus dem Schneider-Verlag. Zerlesen, mit Eselsohren, ohne Schutzumschläge und vergilbend warten sie seit gut 35 Jahren darauf, wieder in die Hände genommen zu werden. Vier oder fünf Umzüge haben sie mich mittlerweile begleitet, jede Wegwerfaktion überstanden
Ich habe die Bücher wohl aus zwei Gründen behalten. Einerseits sind es nostalgische Gefühle. Wenn man ein Buch nicht nur einmal, sondern 10- oder 20-mal gelesen hat, ist es ein Teil der Vergangenheit geworden. Und wenn es dieses Buch dann auch nicht mehr zu kaufen gibt, wäre mit dem Wegwerfen auch ein Teil der Biographie symbolisch weg.
Der später hinzu gekommene Grund sind die eigenen Kinder. Irgendwo war vielleicht die Erwartung oder Hoffnung, dass sie die Bücher auch einmal lesen und mit ihnen die gleichen positiven Gefühle verbinden, wie ich seinerzeit.

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2018-45: gesudelt (1046)

Das „rechte Maß“ zu wahren bedeutet nicht nur, Verzicht zu üben. Es gebietet auch, seine Trägheit und Ängste zu überwinden. [1046]

Im Vergleich zu Kaffee-Kapseln oder Wein ist selbst edler Darjeeling Weißtee spottbillig. [1045]

Beim Bazar die von mir gespendeten Bücher sehen und den Impuls unterdrücken, sie wieder zu kaufen. [1044]

Gebügelt. Das Haus erwacht. Die Kaffeemühle anwerfen und die French Press füllen. [1043]

Nass?
Nass!
Moin. [1042]

Lebendig, melodisch … aus den 60ern: „The singing nun: Brother John“ (nicht das Schlaflied) [1041]

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2018-44: gesudelt 1022 (Lindau)

Letzter Weg nach 25 Jahren. Über meinen Blog fand ein Besitzer des gleichen Modells zu mir – verkauft. Flux ST-2 – geht jetzt nach Mainz.  Seinerzeit sündhaft teuer vom guten U-Bahnfahrer-Gehalt als Student gekauft. [1022]

Heimweg. Die Familien-Routine wartet. Was bleibt? Was geschieht mit dem Geschaffenen…? [1021] 

Unverdünnte Morgenluft! [1020]

„Not und Elend der Welt zu ertragen und die Welt so nehmen, wie sie ist, ohne darauf zu verzichten, sie besser machen zu wollen.“ – A. Kitzler – [1019]

Komm‘ behütet durch die Nacht. [1018] 

„Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.“ (Henry D. Thoreau, Walden) [1017] „2018-44: gesudelt 1022 (Lindau)“ weiterlesen

WordPress: URLs ohne externen Dienst verkürzen

Manchmal verfasst man einen Artikel in einem Print-Produkt und weist darin auf einen Beitrag in seinem WordPress-Blog hin.  In diesem Fall ist die oft recht lange, aus der Überschrift des Blogartikels erstellte URL etwas hinderlich. Die Länge verleitet zu Tippfehlern beim Abschreiben und wenn man im Nachhinen – vielleicht wegen eines Tippfehlers in der URL – diese ändern möchte, passt nichts mehr. Aber auch in Twitter ist es oft schöner, mit einer kurzen und knackigen URL arbeiten zu können.

Dafür benutzen viele einen URL-Kürzer, zum Beispiel bit.ly oder andere. Doch bereits mit Bordmitteln innerhalb von WordPress können wir uns behelfen. Denn  WordPress vergibt neben der sichtbaren Adresse in der Browser-Zeile noch eine im System vergebene ID für jeden Beitrag oder Kommentar. Ein Beispiel hier aus dem Blog:

Artikeltitel: „Stirb jetzt …“ – TV-Interview mit Jon Kabat-Zinn

URL-Langversion: https://kais-journal.de/blog/2018/10/05/stirb-jetzt-tv-interview-mit-jon-kabat-zinn/

URL-Kurzversion: https://kais-journal.de/?p=1725

Die zweite Variante sieht doch gleich ansprechender aus, sowohl als Referenz in einem gedruckten Artikel als auch in einem Tweet.

So finde ich die Beitrags-ID

Etwas umständlich zu sehen ist die Beitrags-ID in der Statuszeile wenn man den Beitrag bearbeitet – aber leider auch nur dann. Dies sieht – im Beispiel dieses Beitrags – so aus:

Der einfachste Weg ist – wie so oft in WordPress – ein kleines Helferlein, sprich ein Plugin zu installieren, welches einem die jeweilige ID in der Beitragsübersicht mit anzeigt. Meine Wahl fiel auf das Plugin „Show IDs by 99 Robots„, welches auch eine gewisse Verbreitung hat und gut getestet scheint.

Screenshot der Beschreibung des Plugins.

Wenn das Plugin installiert ist, wird in der Übersicht der Blogbeiträge eine Spalte ergänzt mit der Beitrags-ID:Wenn ich nun die Haupt-URL „https://kais-journal“ um den Zusatz „/?p=1725“  ergänze, bekomme ich eine schöne und funktionierende URL. Und das Beste: Ich benötige dafür keinen externen URL-Kürzer, der auch nur wieder Daten meiner Seitenbesucher erfasst.

„Stirb jetzt …“ – TV-Interview mit Jon Kabat-Zinn

„Stirb jetzt. Bringe es hinter dich. Dann ist der Rest deines Lebens ein Geschenk. Du kannst deine Kraft, deinen Ehrgeiz, deine Liebe nutzen, um deinen Beitrag an die Welt zu optimieren.
Die erste Person, die davon profitiert, bist du selber. Aber du wirst nicht die einzige Person sein, die profitiert; weil du gewissermaßen zum Geschenk für die Welt wirst.“
(Jon Kabat-Zinn)

Das Zitat stammt vom nachfolgend erwähnten TV-Interview mit Kabat-Zinn, nachzuhören (auf deutsch) ab 44:40.

Auf Youtube gibt es ein einstündiges Interview des Schweizer Senders SRF in der Reihe „Sternstunde Philosophie“ mit Jon Kabat-Zinn, dem Begründer des medizinischen Achtsamkeits-Programms MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction): Jon Kabat-Zinn: Achtsamkeit – die neue Glücksformel? (2016)

Hier ist der Link zur Seite des SRF.

Ich habe einiges von ihm gelesen und empfinde dieses entspannte und informative Gespräch mit ihm (auf deutsch geführt und übersetzt) als sehr inspirierend. Es hat etwas, einen Autor mal „live“ zu erleben, den Eindruck von ihm zu ergänzen. Mein Tipp für eine ruhige Stunde am Abend. Und dass er gerne Thoreau und aus „Walden“ zitiert, macht ihn für mich natürlich nur sympathischer.

 

Amseln brüten am Haus

Nach einigen Jahren hatten wir dieses Jahr wieder mal das Vergnügen, dass ein Amselpaar auf der Lampe neben unserer Haustüre brüten wollte. Und anders als im Vorjahr, war es eine erfolgreiche Brut, fünf Junge erblickten das Licht der Welt und verließen schlussendlich das Nest.

Mit der Handykamera habe ich einige Aufnahmen gemacht, ohne die Vögel zu sehr stören zu wollen. „Amseln brüten am Haus“ weiterlesen

Datenschutz

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) wird ab 25. Mai 2018 kommen. Nachdem es in etwa soviele Meinungen zur Ausgestaltung einer rechtssicheren Datenschutzerklärung gibt wie Jurist*innen, habe ich mich einfach für eine entschieden. Sie ist anhand vorgegebener Felder sehr schnell erstellt und der Code lässt sich leicht auf eine Seite kopieren. Diese muss dann entweder im Header oder Footer erscheinen, „Datenschutz“ weiterlesen

Ich weiß, was ich wissen will. Oder?

Das Thema „Wissen“ bekommt gerade eine neue Qualität für mich. Ich bemerke, dass ich in letzter Zeit häufiger auf Themen stoße, von denen ich zuvor nie etwas hörte bzw. mir keinerlei Gedanken über sie machte. Und ich merke, dass mich – jetzt, wo die Jungs mich etwas weniger in Beschlag nehmen – wieder Zeit habe, mich mit Themen inhaltlich zu beschäftigen. Aber im Gegensatz zu früher, verklärte Studentenzeit, ist das Zeitkorsett des Alltags doch sehr eng, so dass jede neue Aktivität gut überlegt sein will. Und es ist nicht nur das Korsett des Alltags, es ist auch das Gewahrwerden der eigenen Sterblichkeit. Mit fast 50 bleibt objektiv weniger Zeit als mit Anfang 20, wenn das Leben schier unendlich wirkt. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – so fühle ich mich manchmal.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – das Wissen dieser Welt

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, wird Sokrates zugeschrieben und gerne zitiert. Wie Wikipedia erläutert,  „besagen die Äußerungen des Sokrates nach Platons griechischem Text nur, dass er sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, über jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Zudem geht es dem platonischen Sokrates nicht um das technische Fachwissen, sondern um Bestimmungen im Bereich der Tugenden und die Frage nach dem Guten.“

Bis zur Zeit Goethes, so die immer wieder gehörte These, war es durchaus möglich, als Universalgelehrter ein extrem breites Wissen seiner Zeit verfügbar zu haben. Wenngleich ich dann bei diesen Universalgelehrten auch bezweifele, dass ihnen beispielsweise die Handwerkskünste wirklich geläufig waren und nicht nur die Wissensbestände aus Natur- und Geisteswissenschaft. „Ich weiß, was ich wissen will. Oder?“ weiterlesen

Buch-Tipp: Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt

In der Fastenzeit 2012 war es, als Christian Resch (Agnostiger, Journalist) und Professor Clemens Sedmak (Theologe und Philosoph) sich täglichen in ausführlichen E-Mails austauschten und einem Experiment stellten. Der Journalist (Jahrgang 1980), wollte vom renommierten Theologen (Jahrgang 1971) eine Anleitung, wie man im 21. Jahrhundert ein christliches Leben führen könne. Hintergrund war ein Interview mit dem Titel „Himmel und Hölle“ im Jahr 2007 in den Salzburger Nachrichten. Darin sollte der damals frischgebackene 35jährige Professor Sedmak erklären, wie man im 21. Jahrhundert noch in den Himmel käme, wenn möglich ohne viel Aufwand. „Buch-Tipp: Wie man (vielleicht) in den Himmel kommt“ weiterlesen

Die undurchlässige Gesellschaft

Im Januar fielen mir gleich zwei Tweets auf, welche mich bedrückt und etwas ratlos zurück ließen. Einmal ging es um ein jugendliches Mädchen, welches in einer Jugendhilfeeinrichtung lebt und nicht zu ihrem Freund kann, da dessen Eltern nicht erfahren dürfen, dass sie „Heimkind“ ist.

https://twitter.com/finallyarrived/status/951927255420325893

Und beim zweiten Tweet las ich, wie ein Kind (samt seiner Eltern) ein anderes abwertete, weil dieses mit seiner alleinerziehenden studentischen Mutter im Vergleich sehr arm wäre:

Dieses Abgrenzen nach „unten“, diese Abgrenzung von Menschen mit niedrigerem ökonomischem oder sozialem Status empört uns, die Reaktionen auf Twitter sind eindeutig. Ja, solches Denken sollte eigentlich Vergangenheit sein.

In Filmen, in der Literatur oder in autobiografischen Erzählungen freuen wir uns mit jedem Kind, welches einen Mentor findet, der es aus seinem oft ärmlichen oder gewaltgeprägten Milieu holt und die Chance zu einer positiven Entwicklung bietet. In der Theorie sind die breiten bürgerlichen Schichten sofort dabei, wenn es Kindern gelingt, Kontakt zu Familien mit höherem sozio-ökonomischen Status aufzubauen. Wir wünschen ihnen den „Aufstieg“. Zwei Beispiele fallen mir spontan ein: Einmal der Autor Peter Rosegger (Biografie auf Wikipedia) und einmal ein ehemaliger Kollege, der seine Biografie verschriftlicht hat, Volker Häberlein (Herkunft chancenlos, Eigenverlag, hier bei A.).

Wasser in den Wein, raus aus der Wohlfühlblase:

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