G. C. Lichtenberg: Noctes – ein Notizbuch

Vorder- und Rückseite des Umschlages, wie er im Original aussieht, einschließlich der zwei Tassenflecken am Rückendeckel.

Auf eine Rarität stieß ich kürzlich, das nur 128 Seiten umfassende, postkartengroße Büchlein „Noctes: ein Notizbuch“.

Ulrich Joost hat  sich dem Original-Notizbuch „Noctes“ (= Nächte) von Lichtenberg angenommen. Dieses Büchlein steht parallel zu den Sudelbüchern und wurde 1795 begonnen. Die letzten datierten Einträge stammen vom Dezember 1798, wenige Wochen vor Lichtenbergs Tod. Die Handschrift Lichtenbergs in diesem Heft ist teilweise sehr schlecht und kaum zu entziffern, so dass es Joost viel Mühe machte, es korrekt wiederzugeben. „G. C. Lichtenberg: Noctes – ein Notizbuch“ weiterlesen

Pedelec – Erfahrung nach den ersten 2300 Kilometern

Ende Oktober stand der Tacho bei 2.250 Kilometer. Das beleuchtete Display ist sehr praktisch.

Seit Mitte Mai fahre ich nun mit dem Pedelec. Meistens geht es damit zur Arbeit, in der Freizeit bin ich recht wenig per Rad unterwegs. Arbeitsweg, das heißt pro Tag ca. 28 Kilometer und 390 Höhenmeter insgesamt. Nach den ersten 14 Tagen hatte ich bereits ein erstes Fazit gezogen. Und erfreulicherweise haben sich die sehr positiven Eindrücke nach nunmehr fast fünf Monaten und fast 2.500 Kilometern Fahrstrecke bestätigt.

Arbeitsweg

Meinen Arbeitsweg von der Filder-Hochebene in den Stuttgarter Talkessel lege ich seither fast nur noch per Pedelec zurück. Ausnahmen sind, wenn ich mein Cello zum Unterricht mitnehmen muss oder eine Dienstreise ansteht. Ansonsten hieß es, ob bei Regen oder 30 Grad, es wird Fahrrad gefahren. Und was soll ich sagen: Der früher gerade abends laut jaulende Schweinehund, der keine Lust hatte, aus dem Kessel hochzustrampeln, ist völlig verstummt und freut sich auf die frische Luft und den Auslauf nach einem meist sitzend verbrachten Bürotag.

Aber auch kleine Dienstfahrten legte ich mit dem Pedelec zurück. Was früher aufgrund der sehr hügeligen Topographie Stuttgarts ausschied, ist nun Dank der Motorunterstützung kein Thema mehr. Sogar 14%-Steigungen sorgen nicht mehr für Schweißbäche. So macht Fahrrad-Fahren deutlich mehr Freude. Auch in Verbindung mit der Bahn hatte ich das Rad dienstlich schon dabei. Ich nahm das Pedelec in den IRE ins schwäbische Oberland mit und sparte mir den halbtägig fahrenden Bus, radelte die 16 Hügel-Kilometer zum Tagungshaus in lockeren 40 Minuten. „Pedelec – Erfahrung nach den ersten 2300 Kilometern“ weiterlesen

Gelesen: Stille. Ein Wegweiser – von Erling Kagge

»Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je?« Mit diesen drei zentralen Fragen im Gepäck macht sich Erling Kagge auf die Suche nach dem Wesen der Stille.

Die drei eingangs genannten Fragen leiten ihn und bringen ihn letztlich zu dreiunddreißig Versuchen einer Antwort.

Das Buch trägt den Untertitel „Ein Wegweiser“ zu Recht. Denn Wegweiser zeigen nur Richtungen an. Sie erklären nicht, geben keine letzten Antworten. Das Entdecken und Bewerten bleibt dem vorbehalten, der den Weg geht. Der Wegweiser nimmt dies nicht ab. Und so sind wir Lesende eingeladen, uns mit den Impulsen aus Erling Kagges Buch selbständig auf den Weg zu machen, unseren Umgang und unseren Weg zur Stille zu entdecken. „Gelesen: Stille. Ein Wegweiser – von Erling Kagge“ weiterlesen

Schluss mit der Spritze: der Kaweco Konverter Mini Sport

Seit einigen Jahren gehe ich immer mal wieder in die Apotheke, um mehr oder weniger wortreich zu erklären (zu rechtfertigen?), dass ich eine kleine Spritze mit möglichst dicker Kanüle benötige, um leere Tintepatronen mit einer Tinte meiner Wahl füllen zu können. Denn es gibt leider einige Füllfederhalter, welche nicht mit den normalen, im Schreibwarenhandel überall erhältlichen Konvertern von Lamy oder Pelikan bestückt werden können.

Bei kleinen Füllern, zum Beispiel dem viel verbreiteten Kaweco Sport, passt nur eine einzelne Tintenpatrone hinein. Normalen Konvertern ist der Zugang buchstäblich verbaut. Bei diesen füllte ich bisher geleerte Standard-Patronen via Spritze mit einer Tinte meiner Wahl. Das ist ein etwas umständliches Verfahren, welches auch nicht problemfrei ist. Die Tintenpatronen „leiern“ irgendwann aus und halten nicht mehr. Und die Spritze muss nach jeder Anwendung ausführlich gereinigt werden, damit sie nicht verklebt und evtl. für mehrere verschiedene Tinten genutzt werden kann. „Schluss mit der Spritze: der Kaweco Konverter Mini Sport“ weiterlesen

Fundraising-Knigge

Seit Anfang 2012 blogge ich rund um das Thema „Fundraising“ auf meinem Blog Fundraising-Knigge.de

Hier sind die aktuellen Artikel:

Rezension: Generation Y – wie wir glauben, lieben, hoffen

Rezension: Aus Führungsfehlern lernen

1. Marktübersicht Ziegen in Spendenshops

Berliner Compliance Modell für Sponsoren

Interview im ngo:dialog

Planen – erledigen – reflektieren

Rezension: Großspenden-Fundraising – Wege zu mehr Philanthropie

Beilagen, die keiner braucht. Oder: Mailing-Müll

„Fundraising-Knigge“ weiterlesen

Langeoog 2017 – und Vorfreude auf das nächste Jahr

Dieses tolle Shirt, welches – im Urlaub bestellt – zuhause auf uns wartete, hat übrigens Jürgen @irgendlink designt und kann bei Spreadshirt bestellt werden.

Wieder einmal Langeoog. Ein Ferienziel, auf das sich alle in der Familie gleichermaßen freuen. Drei Wochen Inselluft im August, Sand, Entspannen, Lesen, Radeln, Fotografieren, Joggen, nichts tun.

Die zwei großen Koffer haben wir, wie seit 8 Jahren, wieder auf die Insel per DHL vorgeschickt. Aus der Zeit mit dem Kinderwagen geboren, ist uns das zur guten Routine geworden und reduziert das Reisegepäck und den Aufwand beim Umsteigen doch beträchtlich.

 

 

Und das Inselgefühl beginnt in guter Tradition mit der Fährüberfahrt von Bensersiel ab. Übrigens ausnahmsweise mal kein tidenabhängiger Fährverkehr, sondern ganz regelmäßig über den Tag verteilt. Dann darf man sogar mal einen Anschlusszug verpassen, ohne dass man panisch werden muss. „Langeoog 2017 – und Vorfreude auf das nächste Jahr“ weiterlesen

Blogparade: Ein Gegenstand, der mir etwas bedeutet

Seit gut 40 Jahren begleitet mich diese alte Reiseschreibmaschine.

Viel zu haben, gefüllte Keller und Speicher, vollgestellte Regale und überladene Schreibtische – dieses Bild scheint für viele Menschen mit einer sehr unangenehmen Vorstellung verbunden zu sein. Die Erfahrung derjenigen, welche den letzten Weltkrieg erlebten und aus dieser heraus alles horteten, denn „man weiß nie, was man noch brauchen kann“, ist für die heutige Generation des materiellen Überflusses zum Fluch geworden. Sogar Möbel, früher Inbegriff der Beständigkeit und fürs Leben angeschafft, werden – ein Blick auf den Sperrmüll am Straßenrand genügt als Beleg – zu modischen Wegwerfartikeln.

Im Internet manifestiert sich dieses Unbehagen in einer deutlich wahrnehmbaren Minimalismus-Szene und auch in den Lifestyle-Regalen der Buchhandlungen finden sich Ratgeber zum Ausmisten, Reduzieren und Aufräumen. Weniger ist besser, so die kurzgefasste Devise aus dieser Szene. Das Beispiel des Diogenes, der der Überlieferung nach sogar den Becher wegwarf, als er einen Jungen aus der Hand trinken sah, steht idealtypisch für diese Lebenseinstellung. Wenngleich sie für unsere Gesellschaft als übertrieben angesehen werden mag, doch das Ideal, zum Beispiel nur mit 100 anstelle von 10.000 Gegenständen auskommen zu können, ist häufig zu lesen.

Und in der Tat: Wer beispielsweise mit dem Fahrrad in den Urlaub fährt und zeltet, muss mit der Beschränkung auf 20-30kg Gepäck und 4-6 Radtaschen auskommen. Für einige Wochen ist dies für die meisten von uns leistbar.

Doch bei aller Konsumkritik und allem Streben nach Minimalismus – was wohl auch nur in einer Wohlstandsgesellschaft so ein Thema werden kann – gibt es auch Gegenstände, an welchen unser Herz hängt. Es gibt Dinge, welche jeden Umzug und jede Ausräum- und Ausmistaktion überleben. Das sind Gegenstände, die wir nicht unbedingt aus sozialem Druck aufbewahren müssen, wie die Vase der Erbtante oder das Getöpferte des Nachwuchses. „Blogparade: Ein Gegenstand, der mir etwas bedeutet“ weiterlesen

Lebendig zu Asche verbrennen…

„Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.“
-Joseph Beuys

Ein interessantes Zitat, welches ich heute von Frau Soso (@_auchICH) in meine Timeline gespielt bekam. Gepostet wurde es in der Interpretation, dass Beuys damit die Hingabe an das Leben beschwor. Ein Appell an die Leidenschaft und das Nutzen seiner Fähigkeiten und Gaben. Und das war auch das, was das Leben von Beuys ausmachte, diese vielleicht kompromisslose Leidenschaft für seine Kunst und sein Credo, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Dieses zu Lebzeiten brennen, das machte seine Vielfältigkeit und seine internationale Präsenz über Jahrzehnte aus. Dieses Worte von ihm spiegeln seine Biographie wieder.

H.D. Thoreau ging das Thema des „richtigen Lebens“ ruhiger an. Auch Thoreau wollte verhindern, „nicht gelebt zu haben“. In seinem Werk Walden schrieb er:

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte.“

Meine Philosophie tendiert klar eher zu Thoreau, so sehr mich die Begeisterungsfähigkeit und der Mut die eigenen Grenzen zu überschreiten bei Beuys faszinieren. Doch was ist es, was mich an Beuys‘ Zitat stört? „Lebendig zu Asche verbrennen…“ weiterlesen

14 Tage Pedelec – erstes Fazit

Seit zwei Wochen habe ich nun mein neues Fahrrad. Ein Pedelec ist es geworden. Und es war keine schnelle Entscheidung, über ein halbes Jahr habe ich den Gedanken schon im Kopf kreisen lassen. Ich hatte lange darauf spekuliert, dass mein Arbeitgeber im Rahmen der Gehaltsumwandlung ein Leasing-Modell anbieten würde, aber das ging dann tarifvertraglich nicht (durch die Entgeltumwandlung sinken die Sozialversicherungsbeiträge für die Kassen und damit auch etwas der Anspruch der Arbeitnehmer, daher die Ablehnung durch Gewerkschaft und Tarifvertrag). Als das klar war, „musste“ ich mich, ohne diesen preislichen Bonus vor Augen zu haben, entscheiden. „14 Tage Pedelec – erstes Fazit“ weiterlesen

Wer bin ich, wenn alles an mir optimal ist?

Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.

So oder so ähnlich hatte ich die Frage vor einiger Zeit in einem Buch gelesen. Heute ging sie mir wieder durch den Kopf, als ich einige Tweets las, in denen die diversen Vorhaben für die Fastenzeit diskutiert wurden.

Da steckt die berühmte „Wunderfrage“ dahinter: Wie sähe der ideal herbeigewünschte Zustand aus, wenn es jetzt ein Jahr später wäre und alle Wünsche und Vorhaben sich erfüllt hätten.

Aber die Frage hier geht, so fühle ich es, tiefer. Wer bin ich, wenn alles an mir optimal ist? „Wer bin ich, wenn alles an mir optimal ist?“ weiterlesen

Das Wetter wird überbewertet

Wolken? Kommt’s regnen? Lieber nicht fahren! Oder …?

„Das Wetter wird überbewertet“, so der Autor und Wirtschaftsnobelpreisträger David Kahneman. Er untersuchte die Zufriedenheit in Abhängigkeit vom Wohnort. Ich will gar nicht im Detail darauf eingehen. Aber beim Fahrradfahren ist es ebenso: Wer keine Lust zum Radfahren hat, findet im Wetter immer (sic!) einen triftigen Grund, warum er oder sie heute nicht fahren kann oder nicht fahren will. Es ist

  • zu kalt
  • zu heiß
  • zu windig
  • zu unbeständig
  • zu nass

und zu schön, denn da sitzt man lieber im Garten, als dass man am Rad schwitzt.

Fahrrad-Weisheit: Wer nicht Rad fahren will, wird das Wetter immer auf seiner Seite haben.

Wer Rad fahren will, wird das machen, das all die Menschen machen, welche im Freien arbeiten: seine Kleidung und seine Haltung zum Wetter anpassen.

(2017-26) Holocaust Gedenktag

Über viele Jahre organisierte ein Arbeitskollege von mir, Volker Häberlein, Bildungsreisen zum Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau. Vor 10 Jahren fuhr ich auch einmal mit. Seitdem las ich dutzende Bücher über diese Zeit, dieses Lager und die Verantwortlichen und seitdem sehe ich sehr vieles mit anderen Augen.

Heute, am 27. Januar, ist der jährliche Holocaust Gedenktag.

Und wir brauchen diesen Gedenktag. Denn „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Primo Levi

„(2017-26) Holocaust Gedenktag“ weiterlesen

2017-25: Nigeria ist weit

Gestern stand auf Spiegel Online, dass es in Nigeria Dörfer gäbe, in welchen keine Kleinkinder mehr leben würden. Millionen Menschen sind vom Hunger bedroht, Zitat:

„Elf Millionen Menschen brauchten dringend Hilfe, sagte er(*). Bei gut sieben Millionen von ihnen herrsche „ernste Nahrungsmittelunsicherheit“ – sie leben also von einer Mahlzeit am Tag, wenn überhaupt. 515.000 Kinder seien bereits oder in Kürze „ernstlich und akut unterernährt“. Ohne Hilfe würden sie sterben.

(*Toby Lanzer, Westafrika-Koordinator der Uno-Nothilfeorganisation (Ocha))

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/nigeria-sieben-millionen-menschen-von-hunger-bedroht-a-1131577.html

Doch in welchen Zeitungen liest man davon? Wo sind die TV-Appelle? Es ist so frustrierend, wenn auf Twitter, Facebook & Co. tausendfach wiederholte Spaß-Videos von Trump kursieren, gleichzeitig tausende, hunderttausende dem Hungertod entgegen sehen.

Nein, ich mache niemandem die Trump-Tweets zum Vorwurf. Vielleicht braucht es ja dieses Ventil, um der gefühlten Hilflosigkeit und Ratlosigkeit Herr zu werden.

Trotzdem: Es gibt eine Menge Leben (und Sterben) außerhalb der liebgewonnenen Filterblasen und medialen Hauptthemen. Wie müssen nur den Blick dafür frei halten. Ein bei seinen Eltern verhungertes Kind in Deutschland rührt die Nation wochenlang. Tausende verhungerte Kinder in einem afrikanischen Land sind eine Randnotiz.

Wir müssen lernen, die Augen für die Welt offen zu haben. Gerade auch für die Leidenden dieser Welt. Und – das ist für mich eine Konsequenz – wir können von unserem Wohlstand an diejenigen abgeben, für welche wir hier in einem unvorstellbaren Paradies leben. Und jede riesige Zahl von Menschen besteht aus ganz vielen Individuen, Menschen wie du, ich, meine Kinder, meine Nachbarn.

Spenden nehmen viele Hilfsorganisationen an, z.B.:

UNO-Flüchtlingshilfe

Ärzte ohne Grenzen

Welthungerhilfe

 

 

 

 

2017-24: Bahnrechnung

Es war ein gemütliche Bahnfahrt geplant. Sogar ein kleines Upgrade von 24,- Euro von der 2. in die 1. Klasse (für Hin- und Rückfahrt gemeinsam) leistete ich mir. Geschenkte Lesezeit.

Heimfahrt von Eisenach nach Stuttgart: 13:49 – 17.08 geplant, Umsteigen in Fulda mit 5 Minuten Übergang.

Um 13:48 Uhr springt die Anzeige von „Pünktlich“ auf „15 Minuten Verspätung“. Also bei -5 Grad am Bahnsteig eine Viertelstunde warten und mit klammen Fingern die Alternativverbindungen in der App suchen. Den Umstieg in Fulda kann ich vergessen.

Hm, es könnte ein Alternativzug in Frankfurt Flughafen erwischt werden, nur wenig später dran. Oh: der entfällt ersatzlos.

Also fahre ich mit dem gebuchten ICE auf reserviertem Sitzplatz soweit es geht, also bis Frankfurt Flughafen und warte dort auf den nächsten Zug nach Stuttgart, der dann – 10 Minuten Verspätung hatte der Lokführer aufgeholt – knapp eine Stunde später fuhr (mit seinerseits kleiner Verspätung).

Und so sah die Rechnung zuletzt aus:

15 Minuten Verspätung
+ 5 Minuten nicht ausreichender Übergang
———————————–
= a) 65 Minuten später in Stuttgart und eine Dreiviertelstunde im Zug stehen.
= b) Eine verfallene Sitzreservierung und ein verfallenes 1. Klasse-Upgrade
= c) Aus der gemütlichen Zugfahrt wurde ein „Auf die Uhr und App schauen“, Bahnsteigwarten, im vollen Zug stehen.

Zum Ausgleich dürfte ich mir nun ein Formular runterladen und 25% Fahrpreiserstattung geltend machen – ein Fahrpreis, den mein Auftraggeber des von mir gehaltenen Seminars bezahlt hat. Knapp 10 Euro könnten rausspringen (abzüglich Porto für das eingeschickte Formular).

Und die Moral von der Geschicht‘: Umsteigen minimieren, genügend Puffer einbauen.

Und nein: Autofahren war für mich noch nie und wird auch nie eine Alternative auf Fernstrecken sein. Autofahren ist für mich Zeitverschwendung, da ich da nichts machen kann. Und der Verkehr ist noch unberechenbarer als die Bahn.

 

2017-23: Früher war mehr Anfahrtsbeschreibung

Ab 1988 war ich bei der BUNDjugend bzw. der Jugend des Bund Naturschutz in Bayern engagiert. 1990 war ich, so rechnete ich mir mal aus, 40 von 52 Wochenenden in Deutschland unterwegs. Meine Bahnfahrten – ich nutzte häufig das Tramper-Monatsticket, eine Art von BahnCard 100 damals – führten mich zu Besprechungen, Gremiensitzungen und Demos. Die notwendigen Unterlagen wurden noch samt und sonders per Papier verschickt und natürlich auch die Anreisebeschreibungen zu den Jugendherbergen und Geschäftsstellen der Vereine. Dafür wurden sorgfältig Stadtpläne kopiert, Papierpfeile ausgeschnitten und Routen eingemalt. Ja, Google Maps und Auto-Navigationssysteme waren noch kein Thema gewesen. Und für die Bahn gab es das Kursbuch.

Diesen Service vermisse ich heute. Fast kein Veranstalter macht sich mehr die Mühe, den Teilnehmern seiner Seminare eine Anfahrtbeschreibung zukommen zu lassen. 18 Teilnehmer – das sind 18 Leute, die jeder für sich die gleiche Anfahrtsbeschreibung raussuchen müssen. Ich fände das nach wie vor einen schönen Service, wenn mit den Seminarunterlagen noch eine Anreiseskizze dabei wäre, einmal für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, einmal für die per Auto anreisenden Teilnehmer. Dann hätte ich mir auch die 15-20 Minuten gespart, die ich brauchte, um mir den Fußweg zum Tagungshaus in Eisenach vom Bahnhof rauszusuchen und auszudrucken. Denn angesichts immer im falschen Moment leerer Handy-Akkus und schwächelnder Mobil-Datenverbindungen habe ich Wegbeschreibungen nach wie vor am liebsten ausgedruckt dabei.