Kükelhaus – Schule des Gehens

Beim Sichten der Bücherregale ist mir ein Taschenbuch in die Hände gefallen, welches ich seit 1992 habe. Ich habe es gekauft in meiner Zeit in der Jugendumweltbewegung, der Zeit der Demos, des Besuchens und  Kennenlernens alternativer Wohn- und Lebensmodelle.

Aus dem Buch „Entfaltung der Sinne“ spricht mich ein Kapitel an, welches an meine Passion des Barfußlaufens andockt.

Kurz zum Buch (aus dem Klappentext):

 Großtechnische Entwicklungen beschränkt menschliche Wahrnehmung auf bloße „Kopfarbeit“. Nur Entfaltung unserer Sinne wie Riechen, Fühlen, Schmecken, hören und Sehen sowie stetes Einüben in das Gleichgewicht des Körpers vermögen diese Zerstörung des Menschen aufzuhalten.
Mit seinem „Erfahrungsfeld“ zeigt Hugo Kükelhaus 33 Stationen, in denen die Sinne neu entdeckt werden können. Dadurch erweist sich dieses Buch, zusammen mit den Texten von Rudolf zur Lippe, als ein richtungsweisendes, kunstvoll bebildertes Kompendium einer ganzheitlichen Erfahrung des Körpers und damit menschlichen Lebens überhaupt.

Im Kapitel „Schule des Gehens“ finde ich bemerkenswert ist, dass nirgendwo von „Barfuß“ geschrieben wird, aber implizit gemeint ist, auch in der beigefügten Zeichnung (fehlt hier leider). Hugo Kükelhaus beschreibt darin einen von ihm entworfenen Barfußparcours:

Die Station 15 nennt Hugo Hükelhaus eine Schule des Gehens, weil sie auf vielfältige Weise dazu anregt, alle Funktionszusammenhänge des „aufrechten Ganges“ besonders auszubilden. Vor allem wird der Gang aus dem bestimmten Kontakt der Füße mit verschiedenen Böden bestimmt. Die Füße selbst werden, indem sie sich verschiedenen Materialstrukturen anpassen, ja sie zunächst erst erprobend ausmachen, außerordentlich belebt. Dies ist keineswegs nur für die Fußmuskulatur wichtig. Nervenbahnen verbinden die Fußsohlen mit allen Organen des ganzen Körpers und leiten die belebenden Wirkungen zu ihnen weiter. „Massage“ auf diesem Wege wirkt auf feinste Weise in die Tiefen des Organismus. Außerdem wird der Tastsinn, der ja keineswegs etwa auf die Hände begrenzt ist, auch an den Füßen gereizt und gestärkt. Im Gehen tasten sich die Füße vor und erproben das Gelände. Entsprechend seinen Eigenschaften greifen die Fußsohlen den Boden und geben dabei Gleichgewichtsempfindungen an den Körper weiter, die alle Glieder und den Rumpf wie den Kopf zu Ausgleichsbewegungen im dynamischen Gleichgewicht veranlassen. Es entfaltet sich über den Buckeln und Kanten, Sandflächen und Steinen, Holzbohlen und Kieseln die Einheit von kleinmotorischen Fußgewegungen und großmotorigen Haltungsveränderungen, die wir „greifenden“ Gang nennen können.
Das Greifen mit den Füßen kann man üben, indem man mit den Zehen Kiesel aufnimmt und sie ins Wasser wirft, das mit Wellenkreisen antwortet. Beim Wiederaufnehmen der Kiesel mit den Händen kann man die Wirkung des Wassers auf die Glieder spüren.
(…)
In der Schule des Gehens werden Relieferfahrungen der Füße, besonders intensiv am Strand, und das Erlebnis von Wanderungen an Bergbächen verbunden. Das Gefühl, rascher und leichter voranzukommen, das durch einen entgegenkommenden Zug oder auf einem rollenden Teppich hervorgrufen wird, verbindet sich im Wasserlauf mit der Anregung zu eigenem Rhythmus.“
(S. 111, Schule des Gehens)

Hugo Kükelhaus, Rudolf zur Lippe: Entfaltung der Sinne, Verlag fischer alternativ, ISBN 3-596-24065-4, 1991

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