Thoreau: Walden

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Die Titelseite der Originalausgabe von „Walden“

„Walden oder Leben in den Wäldern“ ist das bekannteste Werk von Henry David Thoreau. Es beschreibt die Erfahrungen, die der Lehrer und Landvermesser Thoreau von 1845-1847 gemacht hat. Er hatte sich, unweit seiner Heimatstadt Concord (Massachusetts), ein Blockhaus am Walden-See gebaut und lebte dort in einer Art Einsiedelei für zweieinhalb Jahre. In „Walden“ fasst er diese Zeit auf ein Jahr gerafft zusammen.

Das Buch entstand auf Basis seiner Tagebucheinträge dieser Zeit einige Jahre später 1854 und enthält neben reinen Daseinsbeschreibungen auch viel philosophisches Gedankengut, Naturbeschreibungen die ihresgleichen suchen können, Tipps und Diverses. Im Original zeigt sich die sprachliche Virtuosität Thoreaus, die hierzulande ÜbersetzerInnen immer wieder vor Probleme stellt.

Seine Zeit am Walden-See ist für Thoreau ein Experiment zur Selbstverwirklichung, um zu sehen, was das Leben ihm zu bieten hätte. Bekanntestes Zitat, unter anderem im Kinoerfolg „Der Club der Toten Dichter“ zum Leitmotiv erhoben ist:

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“ (Walden, S. 98)

Hermann Hesse sagte angeblich über „Walden“: „Die amerikanische Literatur, so kühn und großartig sie ist, hat kein schöneres und tieferes Buch aufzuweisen.“

Nun, ich bin nicht in der Lage, dieses Zitat zu beurteilen. Fakt ist aber, dass „Walden“ weltweit die Menschen in seinen Bann zog: Aussteiger, Pazifisten, Naturliebhaber, Bürgerrechtsbewegungen, etc.

Nachfolgend habe ich eine – rein subjektive und stark eingeschränkte – Auswahl von Zitaten aufgelistet, die vielleicht dem einen oder anderen Lust machen, „Walden, oder Leben in den Wäldern“ selbst zu lesen. Tendenziell sind es eher die philosophischen Stellen, die mir hier ins Auge fielen. Das mag aber jeder Leser, jede Leserin anders sehen.
Aus Copyright-Gründen ist es nicht möglich, eine deutsche Volltextversion ins Netz zu stellen. Allerdings gibt es bereits an verschiedenen Stellen amerikanische Versionen online, zum Beispiel bei „Thoreau, Walden and the Environment“.

Eingangskapitel „Ökonomie“

„Es ist nie zu spät, unsere Vorurteile aufzugeben; auf keine Ansicht, keine Lebensweise, und sei sie noch so alt, kann man sich ohne Prüfung verlassen.“ (Walden, S. 21)

„Aber die menschlichen Fähigkeiten sind noch nie gemessen worden, und wir sind nicht imstande, von dem, was bis jetzt geschehen, auf das zu schließen, was geschehen kann, so wenig ist noch versucht worden.“ (Walden, S. 22)

„Ein Farmer erklärte mir: ‚Sie können nicht von Pflanzenkost allein leben, denn sie enthält nichts für den Knochenbau‘, …; und während er mir vordoziert, geht er hinter seinen Ochsen her, die mit ihren vegetarisch aufgebauten Knochen ihn mitsamt seinem wackeligen Pflug über alle Hindernisse hinwegziehen.“ (Walden, Se. 22)

„Die unaufhörliche Aufregung und Sorge vieler Menschen ist eine fast unheilbare Krankheitsform. Wir übertreiben die Wichtigkeit von allen, was wir tun, und wie vieles geschieht doch ohne uns!“ (Walden, S. 23)

„So heftig fühlen wir den drang zu leben, dass wir das Leben anbeten und die Möglichkeit einer Änderung leugnen.“ (Walden, S. 23/24)

„Heutzutage gibt es Professoren der Philosophie, aber keine Philosophen. (…) Um ein Philosoph zu sein, ist es nicht genug, geistreiche Gedanken zu haben oder eine Schule zu gründen, sondern man muss die Weisheit so lieben, dass man nach ihr lebt, ein Leben der Einfachheit, der Unabhängigkeit, der Großmut und des Vertrauens. Man muss einige der Lebensrätsel nicht theoretisch, sondern praktisch lösen.“ (Walden, S. 27)

„Wenn er [der Mensch] die Dinge hat, die zum Leben nötig sind, so gibt es noch andere Bestrebungen, als sich um das Überflüssige zu bemühen: es steht ihm jetzt frei, sich dem Leben selbst zuzuwenden.“ (Walden, S. 27)

„Hütet Euch vor allen Unternehmungen, die neue Kleider und nicht vielmehr einen neuen Träger derselben verlangen. Ist der Mensch nicht neu, wie soll der neue Anzug passen?“ (Walden, S. 35)

„Ich hatte drei Kalksteine auf meinem Pult liegen, fand aber zu meinem Entsetzen, dass sie tägliches Abstauben benötigten, während mein geistiger Hausrat noch unabgestaubt dastand, und voller Abscheu warf ich sie zum Fenster hinaus.“ (Walden, S. 47)

„…; ich meine, sie [Studenten] sollten nicht bloß Leben spielen oder dieses bloß studieren, während der Staat sie bei diesem kostspieligen Spiel unterstützt, sondern es im Ernst leben, vom Anfang bis zum Ende.“ (Walden, S. 60)

„Wir beeilen uns stark, einen magnetischen Telegraphen zwischen Maine und Texas zu konstruieren, aber Maine und Texas haben möglicherweise gar nichts Wichtiges miteinander zu besprechen. (…) Die Hauptsache besteht nicht darin schnell, sondern vernünftig zu sprechen.“ (Walden, S. 61)

„Die Sitte, den besten Teil des Lebens dazu zu verwenden, um Geld zu verdienen, damit man sich während der geringst wertigen Lebenszeit einer fragwürdigen Freiheit erfreuen kann, erinnert mich an jenen Engländer, der nach Indien ging, um sich ein Vermögen zu machen, damit er nach England zurückkehren und dort ein Dichterleben führen könne. Er hätte nur von vornherein zur Dachkammer hinaufzusteigen brauchen.“ (Walden, S. 63)

„Ich möchte um keinen Preis, dass irgend jemand meine Lebensweise befolge; denn abgesehen davon, dass ich, ehe er sie ordentlich erlernt hat, schon wieder eine andere für mich gefunden haben kann, wünsche ich auch, dass es soviel verschiedene Menschen als möglich in der Welt geben möge; ich möchte nur, dass jeder recht sorgfältig trachtete, seinen eigenen Weg zu finden und nicht statt dessen den seines Vaters, seiner Mutter oder seines Nachbarn.“ (Walden, S. 79)

Kapitel „Wo und wofür ich lebte“

„Meine Einbildung führte mich soweit, dass ich schon das Vorkaufsrecht bei mehreren Farmen hatte – das Vorkaufsrecht war alles, was ich wollte -, aber niemals verbrannte ich mir die Finger an wirklichem Besitz.“ (Walden, S. 90)

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“  (Walden, S. 98)

„Vereinfache, vereinfache!“ (Walden, S. 99)

„Wenn wir weise und ohne Eile sind, so sehen wir, dass nur große und würdige Dinge eine ewige und absolute Dauer haben, dass kleine Sorgen und kleine Freuden nur Schatten der Wirklichkeit sind.“ (Walden, S. 103)

„Lasst uns unsern Tag mit soviel Überlegung verleben wie die Natur und uns nicht von jeder Nussschale, jedem Moskitoflügel, der auf unsern Pfad fällt, davon abbringen. Lasst uns früh aufstehen und fasten oder die Fasten brechen und frühstücken, ruhig und ohne Hast; lasst Besuch kommen, lasst Besuch gehen, die Glocken läuten und die Kinder schreien – wir wollen uns unseres Tages freuen. Warum sollten wir nachgeben und im Sturme untergehen?“ (Walden, S. 104)

Kapitel „Lektüre“

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Kapitel „Töne“

„Ich hatte wenigstens in meiner Lebensweise vor anderen, welche nach außen, nach Theater und Gesellschaft um Unterhaltung ausschauen müssen, den Vorteil voraus, dass mein Leben selbst meine Unterhaltung war, die nie aufhörte, neu zu sein. Es war ein Drama mit vielen Szenen und ohne Ende.“ (Walden, S. 118)

Kapitel „Einsamkeit“

„Gesellschaft ist gewöhnlich zu billig zu haben. Wir treffen uns nach zu kurzen Zeiträumen, als dass wir Zeit genug gehabt hätten, neuen Wert füreinander zu erlangen.“ (Walden, S. 140)

„Es wäre besser, es gäbe auf der Welt immer nur einen Einwohner per Quadratmeile, wie dort, wo ich lebe! Der Wert eines Menschen steckt nicht in seiner Haut, so dass wir ihn anrühren müssten.“ (Walden, S. 141)

Kapitel „Besuch“

„Ich hatte drei Stühle in meinem Hause, einen für die Einsamkeit, zwei für die Freundschaft, drei für die Gesellschaft. Wenn Besucher in größerer Anzahl kamen, so war für sie alle nur der dritte Stuhl da; sie sparten aber gewöhnlich Platz, indem sie standen.“ (Walden, S. 144)

Kapitel „Das Bohnenfeld“

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Kapitel „Das Dorf“

„Jeden oder jeden zweiten Tag schlenderte ich ins Dorf, um die Neuigkeiten zu vernehmen, welche beständig dort herumgetragen werden, indem sie von Mund zu Mund oder von Zeitung zu Zeitung zirkulieren, und welche, in homöopathischen Dosen eingenommen, auf ihre Art ebenso erfrischend wirkten wie das Rascheln der Blätter und das Gequake der Frösche.“ (Walden, S. 170)

Kapitel „Die Teiche“

„Ein See ist der schönste und ausdrucksvollste Zug einer Landschaft. Er ist das Auge der Erde. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur. Die Bäume dicht am Ufer, welche sein Wasser saugen und in ihm zerfließen, sind die schlanken Wimpern, die es umsäumen, und die waldigen Hügel und Felsen die Augenbrauen, die es überschatten.“ (Walden, S. 188)

Kapitel „Baker Farm“

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Kapitel „Höhere Gesetze“

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Kapitel „Meine Nachbarn, die Tiere“

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Kapitel „Heizung“

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Kapitel „Frühere Bewohner und Wintergäste“

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Kapitel „Wintertiere“

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Kapitel „Der Teich im Winter“

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Kapitel „Frühling“

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Kapitel „Schluß“

„Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt werden.“ ( Walden, S. 314)

„Hast Du Luftschlösser gebaut, so braucht deine Arbeit nicht verloren zu sein. Eben dort sollten sie sein. Jetzt lege das Fundament darunter!“ (Walden, S. 314)

„Warum müssen wir uns wahnsinnig beeilen, Erfolge zu erringen, und wozu stürzen wir uns in solch verzweifelte Unternehmungen? Wenn jemand mit seinen Gefährten nicht Schritt hält, so tut er es vielleicht deshalb nicht, weil er einen andern Trommler hört.“ (Walden, S. 316)

„Wie niedrig auch dein Leben sein mag, tritt ihm entgegen und lebe es! Weich ihm nicht aus und gib ihm keine Schimpfnamen! Es ist nicht so schlecht wie du. Es sieht am ärmsten aus, wenn du am reichsten bist. Der Krittler findet auch im Paradies etwas zu bekritteln. Liebe dein Leben, so arm es ist! (Walden, S. 318)

„Das Leben in uns ist gleich dem Wasser im Flusse. Es mag dies Jahr höher steigen als seit Menschengedenken und das durstende Hochland überschwemmen; gerade dieses ist vielleicht das ereignisreiche Jahr, das all unsere Bisamratten ersäuft.“ (Walden, S. 323)

„Dieser Morgen ist so beschaffen, dass ihn das bloße Verrinnen der Zeit nie veranlassen wird heraufzudämmern. Das Licht, das unsere Augen erlöschen macht, ist Dunkelheit für uns. Nur der Tag bricht an, für den wir wach sind. Noch mancher Tag harrt des Anbruchs. Die Sonne ist nur ein Morgenstern.“ (Walden, S. 323)

Thoreau, Henry David (1854): „Walden oder Leben in den Wäldern“, deutsche Übersetzung 1979 Diogenes Verlag erschienen, Zürich, ISBN 3-257-20019-6.

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