Blogparade: Ein Gegenstand, der mir etwas bedeutet

Seit gut 40 Jahren begleitet mich diese alte Reiseschreibmaschine.

Viel zu haben, gefüllte Keller und Speicher, vollgestellte Regale und überladene Schreibtische – dieses Bild scheint für viele Menschen mit einer sehr unangenehmen Vorstellung verbunden zu sein. Die Erfahrung derjenigen, welche den letzten Weltkrieg erlebten und aus dieser heraus alles horteten, denn „man weiß nie, was man noch brauchen kann“, ist für die heutige Generation des materiellen Überflusses zum Fluch geworden. Sogar Möbel, früher Inbegriff der Beständigkeit und fürs Leben angeschafft, werden – ein Blick auf den Sperrmüll am Straßenrand genügt als Beleg – zu modischen Wegwerfartikeln.

Im Internet manifestiert sich dieses Unbehagen in einer deutlich wahrnehmbaren Minimalismus-Szene und auch in den Lifestyle-Regalen der Buchhandlungen finden sich Ratgeber zum Ausmisten, Reduzieren und Aufräumen. Weniger ist besser, so die kurzgefasste Devise aus dieser Szene. Das Beispiel des Diogenes, der der Überlieferung nach sogar den Becher wegwarf, als er einen Jungen aus der Hand trinken sah, steht idealtypisch für diese Lebenseinstellung. Wenngleich sie für unsere Gesellschaft als übertrieben angesehen werden mag, doch das Ideal, zum Beispiel nur mit 100 anstelle von 10.000 Gegenständen auskommen zu können, ist häufig zu lesen.

Und in der Tat: Wer beispielsweise mit dem Fahrrad in den Urlaub fährt und zeltet, muss mit der Beschränkung auf 20-30kg Gepäck und 4-6 Radtaschen auskommen. Für einige Wochen ist dies für die meisten von uns leistbar.

Doch bei aller Konsumkritik und allem Streben nach Minimalismus – was wohl auch nur in einer Wohlstandsgesellschaft so ein Thema werden kann – gibt es auch Gegenstände, an welchen unser Herz hängt. Es gibt Dinge, welche jeden Umzug und jede Ausräum- und Ausmistaktion überleben. Das sind Gegenstände, die wir nicht unbedingt aus sozialem Druck aufbewahren müssen, wie die Vase der Erbtante oder das Getöpferte des Nachwuchses.

Ja, es gibt Gegenstände, die uns etwas wert sind. Der Wert ist meist nicht materiell bezifferbar, sondern ein ideeller Wert. Dinge, mit welchen wir unwiederholbare Erinnerungen an Situationen oder Menschen verbinden, trotzen allen Wegwerf-Phasen. Solche Gegenstände müssen gar nicht einmal ständig im Blickfeld sein, liegen oft in versteckten Ecken, Kisten oder im Keller. Aber alleine das Wissen um ihre Existenz befriedigt unser nostalgisches Bedürfnis und gibt ihm greifbaren Halt. Manche Gegenstände halten 5 Erinnerungs-Jahre durch, andere 10 Jahre und wiederum andere noch deutlich mehr. Und bei so manchem Gegenstand bedauern wir noch nach Jahren, dass wir ihn in einem übereifrigen Moment weggegeben haben.

Blogparade „Mein besonderer Gegenstand“

Bei mir ist beispielsweise die alte Reiseschreibmaschine aus dem Blog-Titel so ein Gegenstand. Sie habe ich seit sicher 40 Jahren und mittlerweile benutzt sie schon mein zweiter Sohn und tippt auf ihr herum. Demnächst schreibe ich hier, warum ich sie trotz aller Digitalisierung nach wie vor aufhebe.

Vor fast 30 Jahren war ich einmal auf einem Seminar und zur obligatorischen Kennenlernrunde sollten wir einen Gegenstand mitnehmen, der uns etwas bedeutet. Das fand ich schon sehr spannend und teilweise auch berührend, warum der eine oder andere Gegenstand welche Bedeutung für uns Anfang-20-Jährige hatte. Damals war es bei mir ein alter schwarzer Locher, den ich aus dem Nachlass meines Großvaters hatte.

Ich fände es sehr spannend, mehr darüber zu lesen, warum der eine oder andere Gegenstand eine besondere Bedeutung im Leben gewinnt – unabhängig von seinem Wert oder seinem aktuellen Nutzen. Ich starte diese kleine Blogparade und würde mich freuen, wenn ich hier auf viele persönliche Artikel zu diesem Thema verlinken könnte.

Leitfragen für einen Beitrag könnte sein:

  • Warum ist der Gegenstand wichtiger als andere?
  • Wie wirkt der Gegenstand? Hat er einen besonderen Geruch, eine spezielle Oberfläche, eine bemerkenswerte Haptik?
  • Wäre er schon einmal beinahe weggeworfen worden? Warum hat er doch überlebt?
  • Wann wird er weggeworfen werden?
  • Wo befindet er sich? Ist der Gegenstand im Blickfeld, in einer Vitrine, einer Kiste oder auf dem Speicher?
  • Wissen andere (Familie, Freunde) von der Bedeutung des Gegenstandes? Muss er geschützt werden, damit ihn niemand anderes entsorgt?
  • War es schwierig, einen einzelnen Gegenstand auszuwählen oder fiel die Wahl leicht?

Ich lasse die Blogparade einmal bis 4. September laufen. Wer keinen eigenen Blog hat, kann mir auch einen Artikel zusenden (s. Impressum) und mir mitteilen, unter welchem Namen ich ihn hier auf Kais Journal veröffentlichen darf.

Wer einen Artikel verfasst hat, kann ihn einfach unten mit der Kommentarfunktion verlinken. Auf Twitter streue ich ihn mit dem Hashtag #kommt_nicht_weg .

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Nachtrag am 7.9.17: Da trotz einiger direkter Anfragen bei Bloggern keine Beiträge eingingen, bleibt es einfach bei diesem Artikel.

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