2017-15: Nachher muss ich noch …

Musst Du auch so viel machen? Ich muss in die Arbeit gehen, muss das Frühstück machen, muss mir einen Kaffee holen, muss zum Cello-Unterricht, muss Cello üben, muss einen Blog-Beitrag planen, muss auf die Toilette gehen, muss das Kind ins Bett bringen, muss noch die Zeitung lesen, muss die Zähne putzen, muss jetzt schlafen.

Ob außer mir noch jemand so oft die Worte „Ich muss …“, „Ich muss noch …“ verwendet? Dieser Tage fiel es mir mal auf, wie oft ich im Zusammenhang mit irgendwelchen Tätigkeiten ein „muss“ vorweg setzte. „2017-15: Nachher muss ich noch …“ weiterlesen

2017-9 Eine Quote für Elektroautos … löst nur sehr wenige Probleme

Ab Sonntag konnte man in den Zeitungen lesen, dass die Bundesumweltministerin eine Quote für Elektroautos ins Spiel bringt, um den schleppenden Absatz dieser Fahrzeuggattung zu beflügeln und die Fahrzeugemissionen zu reduzieren.

Ich find’s eine blöde Idee.

Die noch dazu eine ganze Menge Probleme nicht löst.

Zugeparkte Städte und Wohngebiete mit Parksuchverkehr ohne Ende … Lärmbelästigung durch das Abrollgeräusch auf Asphalt … 3000-4000 Tote jährlich und hunderttausende Verletzte … ein irrer Flächenbedarf zu Lasten aller anderer Verkehrsteilnehmer*innen … 1200-2000kg Masse, um im Schnitt 1,2 Menschen mit zusammen 90-100 kg zu befördern … miese öffentliche Verkehrsverbindungen in der Fläche … 1 Stunde Nutzung täglich und 23 Stunden Standzeit … Staus auf Hauptverkehrsrouten …

Ich frage mich, welche dieser Probleme – außer den Abgasen – die Förderung von Elektro-Autos wohl lösen wird, und welche Probleme (z.B. Batterien) noch kommen werden.

Ich finde, dass man von toten Pferden absteigen sollte. Und man könnte all die schönen ÖPNV-Ideen, die seit 20 Jahren in den Schubladen liegen, systematisch angehen.

2017-5 Süßigkeiten schrumpfen – und ich find’s gut

Dieser Tage lese ich öfters, dass die Verbraucherzentrale Hamburg erneut die Mogelpackung des Jahres sucht. Nominiert sind zum Beispiel drei Süßwaren, nämlich Crunchips, Choco Crossies und ein Milka-Weihnachtsmann.

Bildschirmausschnitt der zur Wahl stehenden Produkte, welche in kleineren Packungsgrößen angeboten werden.

Auch bei der Toblerone gingen die Bilder aus GB und mittlerweile Europa durch die sozialen Medien, welche eine sehr gelockerte „Bergkette“ bei dieser Schokolade zeigen.

So kritisch ich ja bei echten Mogelpackungen bin, welche durch übertriebene Verpackung einen größeren Inhalt vortäuschen, so kalt lässt mich die klammheimliche Packungsverkleinerung bei gleichem Preis nun.

Einerseits ist es seit gefühlt ewiger Zeit schon so, dass der Preis pro Kilogramm oder Liter auf jedem Supermarkt-Preisschild mit ausgewiesen wird und bei manchen Produkten zig Größen existieren. Als mündiger Käufer kann und muss ich heute schon vergleichen. Mazola-Öl habe ich im gleichen Supermarkt schon in vier verschiedenen Größen gesehen mit völlig unterschiedlichen Liter-Preisen.

Zum anderen habe ich den Eindruck, dass die Süßigkeiten-Packungen in den letzten 20 Jahren enorm an Größe gewonnen haben. Zum Beispiel Gummibärchen-Packungen zu 100g gibt es fast nur noch im Bioladen. 200g oder ganze Eimer scheinen der Standard geworden zu sein. Auch Schokoriegel an der Kasse, TickTac-Packungen etc. – alles in King-Size. Oder ich gehe mal hier in der Nähe ins Kino. Die kleine (!) Softdrink-Getränkegröße ist 0,5 Liter. Als groß werden erst 1,5 Liter bezeichnet – wohlgemerkt in einem Becher zum Verzehr im Kino. Angesichts der Debatte über zuviel Zucker im Essen von Kindern und Erwachsenen, finde ich es ganz gut, wenn die Packungsgrößen von Süßwaren endlich kleiner werden. Süßkram ist in meinen Augen nämlich kein Lebensmittel zum satt werden, sondern ein Genußmittel.

Mein Empörungspotential hebe ich mir für die echten Lebensmittel-Sauereien auf, zum Beispiel für Fleisch aus Massentierhaltung, mit Zusatzstoffen gestreckten Suppen etc.

Eine Jahresübersicht und fünf Tipps, damit Dein Vorhaben gelingt

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365 Tage auf einen Blick.

Manchmal nehmen wir uns Dinge vor und sind in den ersten Tagen ganz konzentriert bei der Sache, achten sehr darauf, unser Vorhaben auch wirklich umzusetzen.

Das fängt mit den klassischen Neujahrsvorsätzen an, geht weiter über die Fastenzeit-Vorhaben oder beim Angewöhnen guter und Abgewöhnen schädlicher Angewohnheiten.

Damit dieses Vorhaben kein Strohfeuer bleibt und wir uns nicht schneller als erhofft der Routine des Alltags ergeben, haben sich einige Ansätze bewährt, die ich Dir vorstelle und als kleine Hilfe gibt es noch eine Datei:
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Neujahrsvorsatz: Nutze Deine Freiheiten

Wenn ich mir meine Timeline auf Twitter betrachte, scheint das Leben hin und wieder ein einziges Jammertal zu sein. Das ist manchmal ganz schön anstrengend zu lesen. Und es läuft ja wirklich nicht alles glatt im Leben und die rosa Brille oder positives Denken sind oft nicht nur unangebracht, sondern schädlich.

Andererseits hatten wir noch nie so viele Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten und so wenige unabänderliche äußere Zwänge wie heutzutage in unserer Gesellschaft.

Und wenn ich mir eine Sache heute, am 31.12.2016, vornehmen mag, dann diese:

Ich will meine Freiheiten erkennen und nutzen.

Egal wie reglementiert wir sein mögen durch Andere, durch Strukturen, durch Mangel an Geld oder Fähigkeiten, durch unseren Körper oder das Alter, etc: Die Möglichkeit, unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten ist groß. Ein wesentlicher Schritt dabei ist, unsere Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten zu richten und nicht, wie das Kaninchen auf die Schlange, gebannt auf die Probleme fokussiert zu sein.

Wir haben nur dieses Leben und es macht keinen Sinn auf ungewisse bessere Umstände in der Zukunft zu hoffen.

Mein Tipp für Dich: Erkenne heute, morgen und an jedem Tag deine Freiheiten und nutzen die Möglichkeiten deines Lebens.

Komm‘ gut ins Neue Jahr!

Heimatbesuch. Oder: als Kind war alles ganz normal

Als Kind war alles ganz normal. Viele viergeschossige Wohnblöcke, je vier bis sechs Eingänge. Sozialer Wohnungsbau Ende der 60er Jahre. Dazwischen große Wiesen zum spielen. In der Grundschule waren wir Kinder, viele Kinder, auch alle zusammen Erst mit 10 Jahren trennten sich die Wege – Hauptschule (mit manchmal anschließender Realschule) oder Gymnasium. Mein Bruder und ich waren die Exoten im Wohnblock, beide gingen wir aufs Gymnasium („Warum denn gleich beide?“). Und wir blieben – mit einem Mädchen später – auch die einzigen in 50 Jahren.

Im Haus hatte der Hausmeister den Fahrradkeller zu einer Hauskneipe umgebaut und ab Nachmittag trafen sich dort die Männer und einige Frauen. Der Alkohol war allgegenwärtig. Und auch die Polizei kam oft ins Viertel. Später hörte ich dann Polizisten sagen „das Viertel kennen wir gut“.

Aber als Kind war das alles normal. Ich fiel nur auf, dass ich fast täglich in der Bücherei war und nicht so viel draußen spielte. Die „Ritter von Burg Schreckenstein“, „Fünf Freunde“, etc. waren meine Welt.

Mein Schild »Autos töten« im Fahrrad-Rahmendreieck wurde kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, als ich älter war und mich der Umweltbewegung zuwendete. Aber das wurde akzeptiert. War mein Vater doch integriertes Mitglied der Hauskneipe und vergaß häufig, dass das als selbstständiger Maler verdiente Geld nicht netto, sondern brutto ist. Und er merkte auch nicht, dass sie ihn beim Kartenspiel über die Ohren hauten. Dafür lernte ich, wie man von einem Großkunden unauffällig 8.000 DM-Rechnungen in Bar bezahlen lässt und mit dem Geld im Bus heimfährt, damit wir erst die Lieferantenrechnungen bezahlen können und danach der Wirt seinen Anteil bekommt. Aber alles war für mich normal. Und es war normal, dass man Geld ausgibt, wenn es da ist. Und es war normal, sein Taschengeld durch Jobs zu verdienen, um sich das leisten zu können, von dem die Freunde am Gymnasium erzählten. Und ich lernte, dass wir die falsche Zeitung lasen, die Abendzeitung und später den Münchener Merkur anstelle der SZ.

Von den alten Bewohnern des Hauses aus meiner Elterngeneration leben nur noch wenige. Leberschäden, Krebserkrankungen, etc. … Von den Hauskneipenbesuchern gibt es niemanden mehr. Auch mein Vater starb schon vor 26 Jahren mit 49. Als er starb, waren meine Eltern schon vier Jahre geschieden. Seine jüngere Schwester (eine von 12 Geschwistern) und ich saßen in der Todesstunde an seinem Krankenhausbett.

Aber alles war irgendwie normal, ich kannte keine andere Welt. Erst einen Monat vorher war ich von Zuhause ausgezogen.

Ab diesem Jahr änderte sich vieles, fast alles. Ich engagierte mich in der Umweltbewegung, studierte Soziologie, trat bei den GRÜNEN ein, wurde U-Bahnfahrer, begann zu reisen, verließ München.

Wenn ich heute zurückkehre in den Wohnblock, in welchem meine Mutter noch wohnt, kann ich gar nicht mehr verstehen, wie wenig ich früher sah. Im Bus, auf den Straßen und Spielplätzen, den Gehwegen und den Hausfluren – heute erkenne ich die Lebensmilieus sehr schnell. Und ich weiß, dass es einzig und alleine meiner Mutter zu verdanken war, dass mein Bruder und ich aufs Gymnasium und später auf die Uni gehen konnten – gegen all die offenen und latenten Widerstände in der Nachbarschaft, auch bei meinem Vater. Danke!

Ja, als Kind und Jugendlicher fand ich alles völlig normal. Die Erinnerung rufe ich mir manchmal in den Kopf zurück, wenn ich zu verstehen versuche, warum Menschen sich so vehement gegen alles Neue und Fremde wehren, rechts wählen und Parolen schreien. Ich kenne diese abgeschotteten Milieus, die nikotin- und alkoholgeschwängerten Kneipen. Vielleicht haben sie nie die Chance bekommen, etwas anderes kennen zu lernen. Und es ist mir klar, wie stabil diese Milieus sind.

Aber ich weiß auch, dass Milieu kein Schicksal ist. Nur Vergangenheit.

Einiges nicht beendet – Hurra!

20161112_193046-747x1328Im sitze im Büro, es geht auf das Jahresende zu. Die Pläne für das nächste Jahr sind im Arbeit oder im Kopf und der Blick schweift zurück ins vergangene Jahr. Bei unserer letzten Teamklausur im September haben wir gut zwei Dutzend tolle Maßnahmen, Projekte, Aktivitäten identifiziert, welche wir -zusätzlich zum Tagesgeschäft – auf den Weg brachten. Und dann gab es noch eine Liste mit offenen Posten.

Wir haben

  • über neue Projekte nachgedacht – teilweise sehr lange –
    und
  • Konzepte verfasst und nicht umgesetzt

Auf den ersten Blick sind das zwei Punkte, welche nicht unbedingt nach Erfolg klingen. Wenn ich es mir aber genauer ansehe, bin ich darauf sogar stolz. Denn Erfolg bemisst sich nicht nur danach, was wir leisten, sondern auch danach, was wir lassen.

Erfolg ist auch das, was wir lassen

Ja, das klingt etwas exotisch, gebe ich gerne zu. Meistens werden wir daran gemessen, was wir neu auf den Weg brachten. Aber ich denke, dass es auch sehr wertvoll ist, einmal etwas nicht umzusetzen.

Ein vielzitiertes Mantra lautet: Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Auch wenn es viel zitiert wird, dieses Mantra ist Quatsch. „Einiges nicht beendet – Hurra!“ weiterlesen

Wenn ich noch zwei Jahre hätte (oder zehn, oder zwanzig, oder …)

20161127_161309-1328x747Eines der größten Privilegien hier und heute zu leben, ist die Vielzahl an Möglichkeiten, das Leben ganz nach seinen Wünschen leben zu können. Die meisten Menschen hier in Mitteleuropa sind von der absoluten Überlebenssorge befreit, welche noch vor wenigen Generationen den Alltag großer Bevölkerungsteile prägte. Die Grundbedürfnisse des Obdaches, der Nahrung und der Kleidung sind gedeckt – wir können uns also dem Leben selber zuwenden.

Doch was mache ich? Unsere Multioptionsgesellschaft, die Erwartungen und Zwänge unseres sozialen Umfeldes sowie eigene Idealvorstellungen schaffen ganz neue Probleme. Wir bräuchten mehrere Leben, um nur annähernd all das zu leben, was denkbar wäre. Beruf, körperliche Fähigkeiten, Reisen, Sprachen, Lebensstil, Wohngegend, Religion, … wir haben im Prinzip die freie Wahl und nur verhältnismäßig wenig hängt vom großen Limitierer Geld ab.

Häufig liest man den Kalenderspruch-Satz „Lebe jeden Tag so, als ob er Dein letzter wäre“, oder den Klassiker „Carpe diem“ (pflücke den Tag), der im Film „Der Club der Toten Dichter“ zur Volksbildung wurde. Wenn man mal die Banalität beiseite lässt, dass wir eben in der Regel nicht nur einen Tag lang leben und unser Lebensstil durchaus von längerfristiger Perspektive abhängt, bleibt eine spannende Frage:

Wie würde sich mein Verhalten ändern, wenn ich wüsste, dass ich nur noch eine begrenzte Zeitspanne zu leben hätte. „Wenn ich noch zwei Jahre hätte (oder zehn, oder zwanzig, oder …)“ weiterlesen

Wenn Du es eilig hast, gehe langsam

Manchmal kommen Erkenntnisse beim Bügeln ...
Manchmal kommen Erkenntnisse beim Bügeln …

»Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.« Als ich diesen Satz vor mittlerweile 24 Jahren zu ersten Mal hörte, rätselte ich lange, welches mysteriöse Geheimnis der Zeitplanung sich wohl dahinter verstecken möge. Gesagt hatte ihn Norbert R. Müllert, einer der beiden Väter der wunderbaren Moderationsmethode »Zukunftswerkstatt«, als ich bei ihm im Moderatorenschulungs-Seminar war.

»Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.« Das ist so ein Satz, der wie ein Koan, ein unlösbares Zen-Rätsel klingt. Man versteht ihn nicht gleich. Und vielleicht macht dies seinen Reiz aus, lässt ihn diese Uneindeutigkeit als weise erscheinen. Aber Weisheit hin oder her – ich hab’ ihn schlichtweg nicht kapiert. Manche Dinge sind einfach außerhalb meines Horizonts. Punkt. – Aber er ließ mich nicht los. „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam“ weiterlesen

Mein Unvermögen, den Atem nur zu beobachten

Wer sich jemals mit Meditation beschäftigt hat, stieß zu Beginn sicher auf die Anweisung „beobachte Deinen Atem“. Man solle ihn beobachten, wie er durch die Nase fließt, den Gaumen entlang streicht, die Lunge und den Bauchraum füllt, Bauchdecke und Brustkorb hebt. Und dann geht der Atem den entgegen gesetzten Weg, den es ebenso zu erspüren gilt. Ziel dieser Übung ist, den allgegenwärtigen Strom der Gedanken zu unterbrechen, einmal an „nichts“ zu denken.

Momentan versuche ich, wieder täglich zu meditieren. Wobei es nicht nur beim Versuch bleibt, sondern ich schon einige Tage sehr konstant dabei bin – wenngleich noch nicht besonders lange, sondern erst mal nur so 10-15 Minuten am Stück.

Ich weiß ja nicht, wie es anderen dabei geht. Aber ich kann meinen Atem nicht beobachten. „Mein Unvermögen, den Atem nur zu beobachten“ weiterlesen

Das gelungene Seminar

Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.
Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.

Am Donnerstag darf ich wieder einmal einen Fach-Vortrag halten. Und ich vermute sehr, dass es irgendwelche Erhebungsbögen im Anschluss für die Teilnehmenden gibt, um die Vortragsqualität zu evaluieren. Da wird dann nach dem adäquaten Medieneinsatz gefragt, ob ich auf die Fragen der Teilnehmenden einging, als fachlich kompetent eingeschätzt werde etc.

Bei einigen Kongressen erlebte ich bewundernd Vorträge  von Kollegen, die die Anwesenden begeisterten, den Saal mit Energie füllten und die auch im Nachhinein Bestnoten in der Gesamtbewertung erhielten. Doch wenn ich nach solchen Vorträgen Kolleginnen und Kollegen frage, was sie nun praktisch aus dem gehörten – ja eher schon  erlebtem – mitnehmen würden, blieb es still. Und in mir oft auch. „Das gelungene Seminar“ weiterlesen

#10dingedieichanmirmag

10dingedieichanmirmagUnter dem Hashtag #10dingedieichanmirmag wurden heute auf Twitter ganz unterschiedliche, aber sehr persönliche Listen gepostet. Die Twitterin Sternkind (@ninelangelo) gab den Anstoß mit ihren eigenen Top 10.

Viele schrieben ihre 10 Punkte, was ihnen an sich selber gefällt auf. Und vereinzelt war auch zu lesen, dass dies gar nicht so einfach war, aber letztendlich ein sehr befriedigendes Gefühl hinterließ.

Als ich mir, noch ohne Stift und Papier zur Hand zu nehmen, kurz was überlegen wollte, spürte ich großen Widerstand. „#10dingedieichanmirmag“ weiterlesen

Hartz IV-Fastengruppe

Gerade lese ich von einer evangelischen Fastengruppe aus Bad Cannstatt (Stuttgart). Die Teilnehmer möchten während der Fastenzeit ab Aschermittwoch sieben Wochen lang von Hartz IV leben.

„Weitere Programmpunkte des siebenwöchigen Kurses sind unter anderem „Straßenexerzitien“. Die Teilnehmer erkunden ihr Stadtquartier, insbesondere die Orte, an denen sich arme Menschen treffen.“

„Auch ein Besuch im Tafelladen ist geplant. Vor allem geht es aber darum, dass die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen und ein neues Verständnis für die Lebensumstände armer Menschen entwickeln.“

Mir ist bei diesen Versuchen immer unwohl. Jedes Jahr zur Fastenzeit stoße ich auf solche „Versuche“. Wohlsituierte Menschen versuchen sich den Lebensumständen von Armen zu nähern.

Ja, ich denke schon, dass man etwas Einblick und Verständnis für die Schwierigkeiten bekommt, die das Leben mit Hartz IV mit sich bringt.

Nein, es fehlt die existenzielle Erfahrung des Mangels dabei. Die Wohnungen bleiben gut ausgestattet. Wenn die Waschmaschine kaputt ginge, würde sie wohl ohne viel Federlesen ersetzt. Die Kinder gehen weiterhin zur Musikschule und der Urlaub bleibt gebucht.

So bleibt der schale Geschmack zurück, dass sich Armut eben nicht simulieren lässt. Genau so wenig, wie sich das Gefühl der Depression durch eine kleine Gemütsverstimmung simulieren lässt.

Fastet doch richtig. Spendet für die Hilfsangebot der Armen.