Einiges nicht beendet – Hurra!

20161112_193046-747x1328Im sitze im Büro, es geht auf das Jahresende zu. Die Pläne für das nächste Jahr sind im Arbeit oder im Kopf und der Blick schweift zurück ins vergangene Jahr. Bei unserer letzten Teamklausur im September haben wir gut zwei Dutzend tolle Maßnahmen, Projekte, Aktivitäten identifiziert, welche wir -zusätzlich zum Tagesgeschäft – auf den Weg brachten. Und dann gab es noch eine Liste mit offenen Posten.

Wir haben

  • über neue Projekte nachgedacht – teilweise sehr lange –
    und
  • Konzepte verfasst und nicht umgesetzt

Auf den ersten Blick sind das zwei Punkte, welche nicht unbedingt nach Erfolg klingen. Wenn ich es mir aber genauer ansehe, bin ich darauf sogar stolz. Denn Erfolg bemisst sich nicht nur danach, was wir leisten, sondern auch danach, was wir lassen.

Erfolg ist auch das, was wir lassen

Ja, das klingt etwas exotisch, gebe ich gerne zu. Meistens werden wir daran gemessen, was wir neu auf den Weg brachten. Aber ich denke, dass es auch sehr wertvoll ist, einmal etwas nicht umzusetzen.

Ein vielzitiertes Mantra lautet: Es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen. Auch wenn es viel zitiert wird, dieses Mantra ist Quatsch. „Einiges nicht beendet – Hurra!“ weiterlesen

Wenn ich noch zwei Jahre hätte (oder zehn, oder zwanzig, oder …)

20161127_161309-1328x747Eines der größten Privilegien hier und heute zu leben, ist die Vielzahl an Möglichkeiten, das Leben ganz nach seinen Wünschen leben zu können. Die meisten Menschen hier in Mitteleuropa sind von der absoluten Überlebenssorge befreit, welche noch vor wenigen Generationen den Alltag großer Bevölkerungsteile prägte. Die Grundbedürfnisse des Obdaches, der Nahrung und der Kleidung sind gedeckt – wir können uns also dem Leben selber zuwenden.

Doch was mache ich? Unsere Multioptionsgesellschaft, die Erwartungen und Zwänge unseres sozialen Umfeldes sowie eigene Idealvorstellungen schaffen ganz neue Probleme. Wir bräuchten mehrere Leben, um nur annähernd all das zu leben, was denkbar wäre. Beruf, körperliche Fähigkeiten, Reisen, Sprachen, Lebensstil, Wohngegend, Religion, … wir haben im Prinzip die freie Wahl und nur verhältnismäßig wenig hängt vom großen Limitierer Geld ab.

Häufig liest man den Kalenderspruch-Satz „Lebe jeden Tag so, als ob er Dein letzter wäre“, oder den Klassiker „Carpe diem“ (pflücke den Tag), der im Film „Der Club der Toten Dichter“ zur Volksbildung wurde. Wenn man mal die Banalität beiseite lässt, dass wir eben in der Regel nicht nur einen Tag lang leben und unser Lebensstil durchaus von längerfristiger Perspektive abhängt, bleibt eine spannende Frage:

Wie würde sich mein Verhalten ändern, wenn ich wüsste, dass ich nur noch eine begrenzte Zeitspanne zu leben hätte. „Wenn ich noch zwei Jahre hätte (oder zehn, oder zwanzig, oder …)“ weiterlesen

Wenn Du es eilig hast, gehe langsam

Manchmal kommen Erkenntnisse beim Bügeln ...
Manchmal kommen Erkenntnisse beim Bügeln …

»Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.« Als ich diesen Satz vor mittlerweile 24 Jahren zu ersten Mal hörte, rätselte ich lange, welches mysteriöse Geheimnis der Zeitplanung sich wohl dahinter verstecken möge. Gesagt hatte ihn Norbert R. Müllert, einer der beiden Väter der wunderbaren Moderationsmethode »Zukunftswerkstatt«, als ich bei ihm im Moderatorenschulungs-Seminar war.

»Wenn Du es eilig hast, gehe langsam.« Das ist so ein Satz, der wie ein Koan, ein unlösbares Zen-Rätsel klingt. Man versteht ihn nicht gleich. Und vielleicht macht dies seinen Reiz aus, lässt ihn diese Uneindeutigkeit als weise erscheinen. Aber Weisheit hin oder her – ich hab’ ihn schlichtweg nicht kapiert. Manche Dinge sind einfach außerhalb meines Horizonts. Punkt. – Aber er ließ mich nicht los. „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam“ weiterlesen

Mein Unvermögen, den Atem nur zu beobachten

Wer sich jemals mit Meditation beschäftigt hat, stieß zu Beginn sicher auf die Anweisung „beobachte Deinen Atem“. Man solle ihn beobachten, wie er durch die Nase fließt, den Gaumen entlang streicht, die Lunge und den Bauchraum füllt, Bauchdecke und Brustkorb hebt. Und dann geht der Atem den entgegen gesetzten Weg, den es ebenso zu erspüren gilt. Ziel dieser Übung ist, den allgegenwärtigen Strom der Gedanken zu unterbrechen, einmal an „nichts“ zu denken.

Momentan versuche ich, wieder täglich zu meditieren. Wobei es nicht nur beim Versuch bleibt, sondern ich schon einige Tage sehr konstant dabei bin – wenngleich noch nicht besonders lange, sondern erst mal nur so 10-15 Minuten am Stück.

Ich weiß ja nicht, wie es anderen dabei geht. Aber ich kann meinen Atem nicht beobachten. „Mein Unvermögen, den Atem nur zu beobachten“ weiterlesen

Das gelungene Seminar

Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.
Was nimmst Du aus einem Seminar mit? War es das Geld wert? Deine Notizen sind der Gradmesser.

Am Donnerstag darf ich wieder einmal einen Fach-Vortrag halten. Und ich vermute sehr, dass es irgendwelche Erhebungsbögen im Anschluss für die Teilnehmenden gibt, um die Vortragsqualität zu evaluieren. Da wird dann nach dem adäquaten Medieneinsatz gefragt, ob ich auf die Fragen der Teilnehmenden einging, als fachlich kompetent eingeschätzt werde etc.

Bei einigen Kongressen erlebte ich bewundernd Vorträge  von Kollegen, die die Anwesenden begeisterten, den Saal mit Energie füllten und die auch im Nachhinein Bestnoten in der Gesamtbewertung erhielten. Doch wenn ich nach solchen Vorträgen Kolleginnen und Kollegen frage, was sie nun praktisch aus dem gehörten – ja eher schon  erlebtem – mitnehmen würden, blieb es still. Und in mir oft auch. „Das gelungene Seminar“ weiterlesen

Eine Jahresübersicht damit Dein Vorhaben gelingt

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365 Tage auf einen Blick.

Manchmal nehmen wir uns Dinge vor und sind in den ersten Tagen ganz konzentriert bei der Sache, achten sehr darauf, unser Vorhaben auch wirklich umzusetzen.

Das fängt mit den klassischen Neujahrsvorsätzen an, geht weiter über die Fastenzeit-Vorhaben oder beim Angewöhnen guter und Abgewöhnen schädlicher Angewohnheiten.

Damit dieses Vorhaben kein Strohfeuer bleibt und wir uns nicht schneller als erhofft der Routine des Alltags ergeben, haben sich einige Ansätze bewährt, die ich Dir vorstelle und als kleine Hilfe gibt es noch eine Datei:
„Eine Jahresübersicht damit Dein Vorhaben gelingt“ weiterlesen

#10dingedieichanmirmag

10dingedieichanmirmagUnter dem Hashtag #10dingedieichanmirmag wurden heute auf Twitter ganz unterschiedliche, aber sehr persönliche Listen gepostet. Die Twitterin Sternkind (@ninelangelo) gab den Anstoß mit ihren eigenen Top 10.

Viele schrieben ihre 10 Punkte, was ihnen an sich selber gefällt auf. Und vereinzelt war auch zu lesen, dass dies gar nicht so einfach war, aber letztendlich ein sehr befriedigendes Gefühl hinterließ.

Als ich mir, noch ohne Stift und Papier zur Hand zu nehmen, kurz was überlegen wollte, spürte ich großen Widerstand. „#10dingedieichanmirmag“ weiterlesen

Hartz IV-Fastengruppe

Gerade lese ich von einer evangelischen Fastengruppe aus Bad Cannstatt (Stuttgart). Die Teilnehmer möchten während der Fastenzeit ab Aschermittwoch sieben Wochen lang von Hartz IV leben.

„Weitere Programmpunkte des siebenwöchigen Kurses sind unter anderem „Straßenexerzitien“. Die Teilnehmer erkunden ihr Stadtquartier, insbesondere die Orte, an denen sich arme Menschen treffen.“

„Auch ein Besuch im Tafelladen ist geplant. Vor allem geht es aber darum, dass die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen und ein neues Verständnis für die Lebensumstände armer Menschen entwickeln.“

Mir ist bei diesen Versuchen immer unwohl. Jedes Jahr zur Fastenzeit stoße ich auf solche „Versuche“. Wohlsituierte Menschen versuchen sich den Lebensumständen von Armen zu nähern.

Ja, ich denke schon, dass man etwas Einblick und Verständnis für die Schwierigkeiten bekommt, die das Leben mit Hartz IV mit sich bringt.

Nein, es fehlt die existenzielle Erfahrung des Mangels dabei. Die Wohnungen bleiben gut ausgestattet. Wenn die Waschmaschine kaputt ginge, würde sie wohl ohne viel Federlesen ersetzt. Die Kinder gehen weiterhin zur Musikschule und der Urlaub bleibt gebucht.

So bleibt der schale Geschmack zurück, dass sich Armut eben nicht simulieren lässt. Genau so wenig, wie sich das Gefühl der Depression durch eine kleine Gemütsverstimmung simulieren lässt.

Fastet doch richtig. Spendet für die Hilfsangebot der Armen.